00:00:03: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Ärztetag-Podcasts.
00:00:11: Mein Name ist Eva Bauer, ich bin freie Medizinjournalistin und schreibe unter anderem für die Ärztezeiter.
00:00:16: Ich möchte heute mal mit einem etwas ungewöhnlichen Einstieg beginnen – und zwar mit einem Zitat das manche von Ihnen vielleicht auch kennen!
00:00:33: Aber die Söhne des Reiches werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis.
00:00:37: Dort wird Heulen und Zähne knirschen
00:00:39: sein.".
00:00:58: vielleicht auch ganz interessant wäre, sondern ein Phänomen das hier beschrieben ist und dass es offenbar schon vor zweitausend Jahren gab.
00:01:05: Das Zähne knirschen!
00:01:07: Heute auch bekannt unter dem Fachbegriff Bruxismus.
00:01:10: Was es genau damit auf sich hat möchte ich heute mit meinem Gesprächspartner Dr.
00:01:15: Matthias Lange besprechen.
00:01:16: Er is niedergelassener Zahnarzt in Berlin und Koordinator der S-Drylight-Linie Diagnostik und Behandlung von Proxismus, die Anfang dieses Jahres ganz oder relativ frisch aktualisiert wurde.
00:01:29: Hallo Herr Lange schön dass Sie da sind!
00:01:30: Ja guten Morgen.
00:01:32: Bei Proxismus denkt man ja primär an ein zahnmedizinisches Problem.
00:01:35: Was sollten denn Hausärzte?
00:01:37: Und auch Pediatra Denn bei Kindern kommt es ja auch öfter mal vor Ganz allgemein darüber wissen?
00:01:42: Ja ich denke vielleicht bevor wir jetzt länger darüber sprechen Wie haben wir den Begriff mal wieder heute gesehen wird?
00:01:49: Sie sagten ja schon Zähneknirschen.
00:01:51: Das verbindet man immer mit diesem Geräusch und nächtlichen Zähneknirschen, dass da vielleicht die Eltern oder Partner von aufwachen.
00:01:59: Tatsächlich ist der Begriff seit einigen Jahren etwas breiter gefasst.
00:02:04: Man spricht heute von einer oder von Aktivitäten der Kaumuskulatur, die durch Zähnen knirschen aber auch durch Kieferpressen charakterisiert sind und selbst das bloße Anspannen zählt dazu.
00:02:18: Nun, für Hausärzte und Kinderärzte kennen die wahrscheinlich so ähnlich wie die breite Bevölkerung das Zähneknirsch in der Nacht also den Schlafproxismus.
00:02:29: man hat lange Zeit gedacht und so ist es ja auch ein bisschen in diesem Zitat von ihm dass das eigentlich mehr so mit Angst und Strecken also mit Stress und Schlaf verbunden ist.
00:02:40: tatsächlich ist Proxismus aber auch eine Verhaltensweise Ausdruck gewisser physiologischer Prozesse ist und per se eigentlich keine Störung oder Krankheit, wie Sie auch schon sagten.
00:02:51: Und neu – das müsste für die Hausärzte auch interessant sein – ist man unterteilt Wach-und Schlafboxismus was zwei ganz unterschiedliche Sachen her sind sie auch unterschiedliche Ursachen haben.
00:03:02: wir vielleicht noch herausarbeiten werden Und Hausärzte und Peniater sollten sich also schon ein bisschen bewusst werden, dass z.B.
00:03:09: Kopfschmerzen oder gewisse Schlafstörungen mit Proxismus zusammenhängen könnten und eventuell auch Nebenwirkung bestimmter psychotropesubstanzen oder Medikamente sein könnte.
00:03:22: Sie haben jetzt schon ganz vieles angesprochen, worauf wir tatsächlich später auch noch kommen werden.
00:03:26: Ich möchte zunächst mal noch auf die Ursachen bzw.
00:03:30: die Risikofaktoren eingehen, die ja auch eine Rolle spielen.
00:03:34: bei Kindern stehen oft psychosoziale Faktoren im Hintergrund.
00:03:38: dann gibt es auch Komobilitäten mit Pluxismus in Zusammenhang stehen.
00:03:42: welche Patientengruppen sind denn besonders betroffen?
00:03:45: und gibt's noch weitere Risikophaktoren auf die man achten sollte?
00:03:48: Ja, es ist ganz interessant.
00:03:50: Frauen und Männer sind so in den meisten Studien in etwa gleich betroffen.
00:03:55: Man muss sagen ein gewisser Risikofaktor ist die Jugend.
00:03:58: Also so Buxismus-Tritt hat zu seiner ersten Gipfel in dem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt also praktisch mit Eintritt in die Pubertät.
00:04:06: man sieht das natürlich auch oft schon bei Kindern da wird das oft nicht so ernst genommen aber pubertät bis so naja die Ausbildungszeit da ist eigentlich der erste Gipfel Und über die Lebenszeit gesehen nimmt der Proxismus aber ab, sodass man vielleicht bei Kindern und Jugendlichsten maximal so zwanzig Prozent – das ist ja schon relativ viel der Bevölkerung hat sie betroffen sind – und bei sechzigjährigen vielleicht noch drei bis fünf Prozent.
00:04:34: Sie fragten nach Risikofaktoren.
00:04:36: Ja tatsächlich auch hier muss man sagen, schwimmt man so ein bisschen.
00:04:40: Aber relativ sicher ist das Boxismus oft in der Familie liegt.
00:04:43: also es scheinen Gewische eine gewisse genetische Veranlagen zu geben und Man hat auch schon versucht gewisse Gen Sequenzen zu identifizieren und des einen oder andere gibt's zum paar Favoriten.
00:04:56: Ich denke aber nicht, dass wir jetzt in Zukunft oder in nahezukunft erst mal einen Gentest machen.
00:05:01: Ob derjenige jetzt ein Bruxismus-Risiko haben wird?
00:05:03: Oder nicht?
00:05:04: so eine schlimme Sache ist es ja eigentlich auch nicht!
00:05:07: Aber zu den Risikofaktoren gehören eben auch vor allem schlechter Schlaf also Schlafstörungen dann schlechte schlafbezogene Atemstörung wie zum Beispiel obstruktive Schlafeabhängensyndrom Dann eben nebenwirkung gewisser Medikamente bei Schlafbruxismus und bei Wachbruxismus eher emotionaler Stress Und Proxismus als Angewohnheit.
00:05:27: Also es gibt, das kennen Sie vielleicht auch oder einige von den Hörern dass man unbewusst wenn man sich konzentriert am PC setzt oder so.
00:05:36: Klar manchmal mit dem Zähnenpresst aber auch auf den Fingerniegeln-Cout oder an den Lippencouts sind alles dieselben Muskelgruppen die da aktiviert werden.
00:05:44: und das ist im weitesten Sinne jetzt ja heute nach der neuen Definition auch zum den Proxistmus dazu zu zählen Scheinmechanismen zu sein, wo man sich besser fokussieren kann.
00:05:53: Es ist auch gezeigt worden dass die Koordination besser ist wenn wir die Zähne zusammen was können und besser Matheaufgaben lösen.
00:05:59: Und es ist aber eben immer die Frage der Menge ne?
00:06:03: Wenn man das jetzt da gelangt und chronisch und immer wieder macht dann fängt irgendwann mal die kaum Muskulatur an zu schmerzen.
00:06:08: Man kriegt Kopfschmerzen usw.
00:06:10: Ja bisher auf die Frage nach dieser Schwelle bis wann ist es jetzt doch physiologisch und wann fängt's dann eine Pathologie zu werden?
00:06:16: genau Also Sie hatten ja schon gesagt, ein gewisses Maß an Aktivität der Kau-Moskulatur gilt auch als physiologisch und völlig normal.
00:06:22: Und auch als förderlich.
00:06:23: Es gibt ja auch dieses sprichwörtliche, die Zähne zusammen beißen oder sich an einer Sache verbeißen was das ja auch andeutet dass wir damit Belastungen und Anstrengung besser durchstehen.
00:06:33: Was sind denn jetzt Hinweise auf einen behandlungsbedürftigen pathologischen Proxismus?
00:06:38: Und welches Screening Methoden sind außerhalb der Zahnarztpraxis sinnvoll?
00:06:41: Naja es ist so Das, wie bei allen Krankheiten zählt dann auch in dem Zusammenhang eher der Leidensdruck des Patienten.
00:06:49: Also wenn Schmerzen auftreten, dann müssen wir natürlich irgendwie tiefer werden.
00:06:54: und typische Schmerz bei Bruxismus, gut das betrifft Medizinerze sind so Kieferschmerzen, allgemeine Zahnschmerzen an allen Szenen, wenn man morgens aufwacht und die ganze Nacht zusammen gebissen hatte aber eben auch diese typischen Spannungskopf-Schmerzen im schlefen Bereich wo manchmal eben nicht so dran gedacht wird, dass das die Kaumuskulatur sein könnte.
00:07:15: Ja und eben auch im Bangbereich die Masse da.
00:07:18: also das sind so typische, werden so typisch Symptomen.
00:07:22: Und sie fragten nach den Screening-Methoden.
00:07:25: Da gut es gibt einen Zahnärzt der Screening aber man muss nicht unbedingt in den Mund gucken.
00:07:30: Also wer chronisch mit den Zähnen knirscht hat dann oft schon Also wenn man darauf achtet, so ein eckiges Untergesicht.
00:07:36: Die Wangen kommen so ein bisschen raus, also ich auch ein bisschen.
00:07:40: Das kann man jetzt nicht mal zeigen aber hier die Kaumuskulatur ist dann so ein bißchen eckig ja?
00:07:46: Die Kieferknochen werden auch mächtiger.
00:07:48: tatsächlich das kann man sogar im Räuchtenbild sehen der Knochen nimmt zu durch die Dauerbelastung.
00:07:54: was man als Arzt aufmachen könnte ist dass man mal die Muskulatur palpiert.
00:07:57: also wenn einer zum Beispiel sagt hat häufig Schletenkopfschmerzen kann man sich von hinten ran setzen und anspannen lassen.
00:08:04: Wenn man hier im vorderen Bereich des Schlefenmuskels kommt so direkt ein Wulz draus, lässt dann mal pressen oder knirrschen und sieht immer richtig wie die Aktivität da durchgeht.
00:08:13: und dann kann man auch so schmerzhafte Knötchen palpieren.
00:08:16: Und wenn man sowas sieht, dann hängt das eventuell zusammen.
00:08:20: Grundsätzlich ist ein Proxismus.
00:08:23: die sogenannte Selbstauskunft der Selbstbericht eine wichtige Sache.
00:08:26: fragen Sie einfach nach.
00:08:27: Fragen sie ihren Patienten ist ihnen bewusst?
00:08:31: dass sie mit den Zähnen pressen oder knirschen.
00:08:33: Wenn man noch ein bisschen besser wird und hat so einen Holzspartel zur Hand, kann man auch mal in den Mund gucken Und dann sieht man oft Abdrücke In der Schleimhaut also in der Wange sind es solche weiße Striche Linealba So eine Hyperkeratose in der Schleymhaut, so richtig weißer Strich wenn man dauernd immer zwischen die Zähne beißt und dran saugt und Auch abdrücke in der Zunge zeigen so ein bisschen das da Druck drauf ist.
00:08:56: Das wäre so wenn man sich da ein bisschen besser werden will und, sagen wir mal fundiert an den Zahnarzt überweisen möchte.
00:09:03: Ja also interessant da gibt es ja doch einige klinische Hinweise auch die man auch recht leicht schon erruieren kann.
00:09:09: jetzt hatten sie gesagt ein wichtiger Aspekt ist auch die Selbstauskunft des Patienten.
00:09:14: aber man unterscheidet ja zwischen Schlaf- und Wachbruxismus und gerade beim Schlafbruxusmus das ist ja mitunter bisschen schwierig dass die Patienten das tatsächlich gar nicht wissen.
00:09:24: zu dieser Differenzierung was ist denn abgesehen natürlich vom zeitlichen Auftritt, genau der Unterschied zwischen Schlaf- und Wachbruxismus.
00:09:32: Wie kann man beide Formen in der Praxis unterscheiden?
00:09:34: Und gibt es vielleicht jeweils auch Differenzialdiagnosen, die man abgrenzen
00:09:37: muss?".
00:09:39: Ja das ist tatsächlich schwierig!
00:09:41: Also ich sage mal, die Bruxismusforschung im Speziellen ist ja noch relativ jung also... Auch wenn tatsächlich im neuen Testament schon davon die Rede war.
00:09:51: Es gibt übrigens auch schon Keilschrifttafeln von tausend vor Christos, wo Rezepte gegen Bruxismus drin waren.
00:09:57: Also ist trotzdem die Forschung so ungefähr dreißig Jahre alt.
00:10:02: und in den ersten Studien das war so Mitte der neunziger Jahre da wurden solche Schlaflaborstudien vorgestellt, wo man Bruxismus untersucht hat und hat dann relativ klar gemacht okay wenn einer ich sage mal jetzt mehr als drei bis sechs Bruxismo-Episoden pro Nacht hatte?
00:10:17: Da wurde also wurden natürlich so Oberflächen-Elektronen aufgelegt für die Muskelaktivität.
00:10:22: Dann wurde die Herzfrequenz gemessen, Geräusche gemessen ist wurde... Töne aufgenommen, um das zu identifizieren.
00:10:29: Also wenn mehr als drei bis sechs ist, wurde gesagt, dass es schon ordentlich Schlafbruchs ist muss plus es extrem auffällendig.
00:10:35: und mal abgesehen von den Kosten, dass man da eine Nacht ins Schlaflabor muss, muss auch noch ein Schlafmedizin ersitzen der sich das nachher anguckt hinterher.
00:10:43: also das ist völlig unpraktikabel.
00:10:45: und dann ist man doch sehr weit wieder zurückgerudert und schöpft tatsächlich so wie sie vermutet haben, die Verdachtsdiagnose aufgrund des Berichts der Patienten.
00:10:56: Und dann fragt man eben sehr genau nach wann die Beschwerden auftreten?
00:11:01: Das ist auch ganz unterschiedlich.
00:11:02: Der Wachboxismus wurde früher nie gefragt.
00:11:05: Es gab immer nur eine Screeningfrage, die hieß Haben Sie morgens Schmerzen!
00:11:09: Und klar, wenn einer morgens Schmerzen hat dann hat er vielleicht in der Nacht gebroxt und die Flachschlafphasen sind besonders im Morgen.
00:11:17: Wenn man so die letzte Stunde vor dem richtigen Aufwachen nochmal mit den Zehen zusammen war, dann tut das halt morgens weh.
00:11:23: Aber es gibt eben auch ganz unterschiedlich erst am Abend.
00:11:26: Da haben die Leute die Beschwerden in der Muskulatur erst am Abend weil ich acht Stunden am PC oder als Sozialarbeiter in irgendeinem Brennpunkt mit vielen Leuten wo man sich zusammenreißen muss die ganze Zeit um den Striss zu kompensieren, die Zähne zusammen hat.
00:11:40: Und das sind so die erste Frage und der zweite Punkt – und das ist jetzt auch in der Leitlinie nochmal hervorgehoben worden – ist diese sogenannte Selbstbeobachtung, dass die Patienten also wenn man beim ersten Interview nicht so richtig rauskriegt was es ist, dass man sie noch mal auffordert ganz genau darauf zu achten, was mache ich dann eigentlich?
00:11:58: Gibt's diese... Ganz einfache rote Punkte-Technik, dass man sich so an auffällige Stellen kleine Aufkleber macht und mal zwei Wochen guckt was mache ich denn immer wenn ich den auf Kleber sehe.
00:12:09: Es gibt eine App dafür, Brooks App heißt die.
00:12:12: da kann man dann das Handy noch mehr verrückt und macht Geräusche und immer wenn es dann alarmiert muss man gucken wo man gerade mit seinen Zähnen ist.
00:12:20: Das wäre also für den Wachbruxismus Und auch für den Schlafbruchssismus, Leute wachen oft auf mit zusammengebissenen Zähnen.
00:12:27: Träumen schlecht oder haben Schmerzen nachts... Also dann kann man nach vierzehn Tagen meine Dingen noch mal gucken.
00:12:32: was überwiegt da?
00:12:33: Manche sind auch Tag und Nacht mit den Zähnens zusammen gerade so besonders angespannte Personen.
00:12:39: aber darauf sind wir momentan angewiesen.
00:12:42: also es gibt Es gibt auch ein Gerät Diabruchs heißt das ist eine Elektrode.
00:12:46: Das können sie dann vierundzwanzig Stunden an der Wange tragen und Mal gucken was so passiert.
00:12:51: Da kann man das sicherlich gut messen Das ist aber auch noch nicht so richtig gut validiert.
00:12:55: und die Knackpunkte an welcher Stelle, ist es jetzt wirklich Proxismus oder sind das normale Kaumuskelbewegung?
00:13:01: Das ist noch nicht richtig auseinander dividiert.
00:13:03: Aber in der Richtung wäre natürlich schön.
00:13:05: Nun muss man natürlich sagen wenn man so eine Elektrode trägt denkt man ja immer zu dran dass man Elektroda hat.
00:13:10: also so richtig unabhängig ist es dann auch nicht.
00:13:14: Man muss sich wie gesagt ein bisschen aufs Gespräch auf die aktuellen Symptome verlassen.
00:13:22: Apropos Verdachtsdiagnose, gibt es denn noch irgendwelche Differenzialdiagnosen?
00:13:26: Das scheint ja insgesamt sehr schwierig zu sein, das rauszufinden.
00:13:30: Gibt's denn noch irgendwas anderes was auch naheliegend ist, was ähnliche Symptome haben könnte sich ähnlich äußert?
00:13:38: Naja, das ist ja dieser große Formenkreis der sogenannten Kraniumantibularmdysfunktion also Beschwerden und Schmerzen im Bereich der Kaumuskulatur der Kiefergelänke die sich mit Muskelschmerzen zeigt, mit Schwierigkeiten bei der Kieferöffnung und Kiefergelenksschmerz.
00:13:56: Und diese Sachen können natürlich auch unabhängig von Bruxismus auftreten.
00:14:00: also nur weil dort kaum Muskel schmerzen sind liegt nicht automatisch Bruxismus vor.
00:14:06: und man muss auch sagen das fällt uns als Zahnärztin oft immer noch schwer.
00:14:13: CMD, also diese kraniummanipulären Dysfunktion der ist gut etabliert.
00:14:16: Bruxismus auch aber das wurde früher alles in einen Topf geworfen.
00:14:20: Man muss heute sagen es gibt Bruxismus-Patienten die haben keinen CMD.
00:14:25: Die knirrschen viel mit den Zähnen haben aber keine Schmerzen und so weiter.
00:14:29: Und es gibt durchaus viele CMD Patienten die haben Blockierungen im Kiefergelenk oder andere Sachen und haben kein Bruxistmus.
00:14:35: Also sind zwei unterschiedliche Geschichten.
00:14:37: Das muss man dann schon in der Diagnose ein bisschen voneinander abgrenzen weil Ich meine, man macht bei beiden oft eine Schichte.
00:14:45: Aber die Behandlungsstrategien unterscheiden sich voneinander.
00:14:49: Jetzt haben wir schon viele über die Diagnostik, die ja nicht so ganz einfach ist gesprochen.
00:14:53: Es ist auch die definitive Diagnose zu stellen gar nicht so einfach wieder die Anomese.
00:14:58: allein noch klinische Anzeichen sind beweisend letztlich für den Prozismus.
00:15:03: Wann sollte denn der Hausarzt oder Pediater den Patienten dann doch zum Zahnarzt zur weiteren gegebenenfalls auch operativen Abklärungen schicken?
00:15:11: Ja, im Prinzip.
00:15:13: Wenn da ein gewisser Leidensdruck herrscht vielleicht darüber gesprochen wird dass man schlecht schlägt und mit den Zähnen knirscht also wenn irgendwie so eine Art Naja wenn das aufs Tableau kommt sozusagen.
00:15:24: Wenn na gewisses Leiden besteht aber eben wenn unklare Kopfschmerzen stehen die man sich irgendwie nicht anders erklären kann.
00:15:32: Schlägenkopfschmerz hatte ich schon angesprochen könnten aber eben auch Schmerzen hier so einen Wangenbereich oder wenn es die Kiefergelenke betrifft, direkt vor dem Ohr oder auch im Ohr sein.
00:15:41: Also wir haben häufig Überweisungen aus von der HNO wo die Leute zuerst zur HNO gegangen sind und geguckt hat also zum Halzenhausen Ohrenarzt ob da im Ohhr was entzündet ist?
00:15:50: Und dann doch relativ schnell gesagt na gehen Sie mal zum Zahnarzt.
00:15:53: das vielleicht das Kieffergelenk kann tatsächlich durch die Überlastung mit Prozismus zusammenhängen Und eben auch Kiefer-Öffnungseinschränkung, wo man plötzlich einen Mund nicht richtig aufkriegt.
00:16:03: Das muss nicht immer eine Blockierung in den Kiefern gelängst sein, es ist häufig auch eine Überlastung in der Kaumuskulatur dass der Mund einfach nicht mehr weiter aufgeht und dann ja zum Zahnarzt mal gucken lassen.
00:16:14: Okay, dann gehen wir weiter zum therapeutischen Teil.
00:16:18: Die therapeutischen Optionen sind ja sehr vielfältig bei Prozismus wobei in der aktualisierten Leitlinie der Stellenwert von Physiotherapie und Selbsthilfemaßnahmen aufgewertet wurde während Medikamente nach wie vor nicht empfohlen werden.
00:16:32: Wann ist denn eine Therapie überhaupt notwendig?
00:16:34: Und worin sollte sie primär bestehen?
00:16:36: Ja das ist natürlich eine komplexe Frage.
00:16:40: Da könnte man jetzt von der Schlipfassette in einem abgebrochenen Stück Zehnchen beginnen bis hin zu stark abradierten Szenen, wo was nicht aussieht.
00:16:50: Wo man keine Krone mehr drauf kriegt weil die schon so kurz geknirrscht sind.
00:16:54: also eine Therapie ist im Prinzip dann indiziert werden ein gewisser Leidensdruck sagen wir jetzt subjektiv vorliegt.
00:17:00: hatten wir schon angesprochen Schmerzen oder andere Beeinträchtigungen?
00:17:05: Aus zahnärztlicher Sicht tatsächlich, wenn die Zahnabnutzung so stark zunimmt dass die Zahnsubstanz oder der Zahn an sich bedroht ist oder immer wieder Zahnersatz kaputt geht.
00:17:15: Die Therapie in Sicht beginnt tatsächlich mit der Diagnostik hatten wir auch schon drüber gesprochen.
00:17:23: Wenn man sich die Zeit nehmen kann mit einem Diagnosegespräch Dass man praktisch mal zusammenguckt, wie ist denn gerade mein Leben?
00:17:30: Was habe ich gerade für Umstände.
00:17:32: Wie kommt das dass sich immer zu Medizinpresse oder Knörsche?
00:17:36: nimmt das zu wenn ich viel Stress habe?
00:17:38: ist es im Urlaub besser oder sind irgendwelche Risikofaktoren die eine Rolle spielen?
00:17:44: Bei Jugendlichen muss man auch, da haben wir noch gar nicht darüber gesprochen.
00:17:47: Da kommen vielleicht später noch drauf auch an Drogendenken zum Beispiel die Off-Boxismus auslösen oder verstärken können.
00:17:54: Also erst mal ein bisschen Zeit nehmen und gucken wie sind die Lebensumstände?
00:17:57: Warum knirscht ich mit den Zehnen und warum macht mir das jetzt solche Probleme?
00:18:01: dann als nächstes auch Teil tatsächlich der Therapie Die Selbstbeobachtung haben wir schon drüber gesprochen.
00:18:07: dass ist, dass man das ganz gut für die Abgrenzung in der Diagnostik gebrauchen kann.
00:18:11: aber es ist natürlich auch ein Teil so ein bisschen Bewusstmachung für die Patienten, dass sie mal gucken was mache ich dann eigentlich.
00:18:18: Dass man eben nicht nur sagt also ich knirsch mit den Zehnabkopfschmerzen jetzt mach mir eine Schiene hilf mir das das weggeht einfach mal guckt Mensch.
00:18:26: Aha in der und der Situation ist es besonders schlimm oder Das ist ja gar nicht nachts Ich bin ja am Tag die ganze Zeit mit den Zähnen zusammen sind Leute wirklich auch oft überrascht Wir übrigens auch weil wir früher ja oft immer gedacht haben Es ist mit nur im schlaf stattfindet Und dass man tatsächlich dann schon noch, bevor man eine Schiene anfängt über die Lebensgewohnheiten spricht und vielleicht auch schon so ein bisschen in die Richtung führt.
00:18:49: Wir müssen da mal oder der Patient muss auch mal aktiv, die Patienten aktiv, vielleicht mal an die Lebensgewohnheiten denken und da was ändern.
00:18:56: Dann ist natürlich, weil Sie sagen, das mit der Therapie ist der Favorit nach wie vor.
00:19:02: Schienen können unheimlich viel.
00:19:05: Also vor zwanzig Jahren wusste man noch nicht so richtig, wie Schienen funktionieren.
00:19:08: Wir haben immer gesagt naja Schienen gehen aber was sie machen?
00:19:10: Inzwischen ist das eigentlich schon ganz gut untersucht.
00:19:12: Klar hat die schützen natürlich vorher übermäßige Abnutzung der Zähne.
00:19:17: Sie helfen wenn man sie trägt den Patienten natürlich auch ein bisschen sich mit der Sache zu beschäftigen.
00:19:21: Denn weil es jene Arm rein nehmen müssen dann gucken sie auch gleich nochmal geht's mir eigentlich besser.
00:19:25: ja auch Gott ihr habt mich entspannt da.
00:19:27: Dann guckt man auf die Schiene und sagt Oh, was habe ich denn hier schon wieder heute Nacht gemacht?
00:19:30: Da ist eine neue Schliffer-Sette oder sowas.
00:19:33: Also das ist gar nicht so schlecht.
00:19:34: auch zur Beobachtung.
00:19:37: und ja die Schienen funktionieren halt zumindest auch kurzfristig recht gut.
00:19:40: wenn man stark verspannt ist gibt es einen Reflexkreis der dadurch unterbrocken wird sodass sich die Muskulatur ganz gut entspannen kann und die ganzen Gewebe ein bisschen entlastet werden.
00:19:51: Biofeedback ist ein Thema haben wir auch in der Leitlinie adressiert.
00:19:55: Es gibt verschiedene Art von Geräten und Anwendungen, die man verwenden kann.
00:20:02: Die einem so ein bisschen helfen sich das abzugewöhnen.
00:20:04: Das geht von Schienen, die vibrieren Wenn man drauf bei ist über Elektroden, die einen akustischen Signal aus... lösen.
00:20:14: Das wäre jetzt beides für Schlafboxismus oder so spezielle Ohreinsätze, die so gestaltet sind, dass immer wenn man zusammenpresst zum bis kleinen Druck im Ohr machen und man dann ein bisschen weniger mit den Zähnen presst, bis hin zu Schienen, die absichtlichen kleinen Störkontakte haben, sodass wenn man am Tag drauf ist das man weiß ach ja mein Schieb sollt aufpassen ich soll die Zehne auseinander lassen.
00:20:35: Physiotherapie an sich macht keinen Bruxismus weg, aber die können natürlich helfen um Entspannungsübungen oder Achtsamkeitstraining durchzuführen.
00:20:44: Und das Tolle ist auch gerade bei uns im zahnärztlichen Alltag so einen Physiotherapeut.
00:20:49: und Physitherapeuten haben natürlich Zeit.
00:20:51: Die können sich mal so eine halbe Stunde, vierzig Minuten erzählen Und dann kam mal drüber Nachrichten.
00:20:57: Mensch, wie war es denn beim letzten Mal und hast du's schon hingekriegt?
00:21:00: Und ach jetzt ist ein bisschen entspannter.
00:21:02: oder jetzt ist wieder die Strei-, oh ja ich merke hier ist alles fest, war stressig und so.
00:21:06: Also dass man so'n bisschen zusammen sich diese Zusammenhänge erarbeitet das is großartig.
00:21:11: deswegen sind wir auch froh, dass wir so viele gut ausgebildete Physiotherapeiten auf dem Gebiet haben.
00:21:21: Also Botolinumtoxin, was dann direkt in die Kaumuskulatur injiziert wird um Teile der Muskulatur zu leben funktioniert überraschend gut.
00:21:30: Ich muss ganz ehrlich sagen als ich so vor zwanzig Jahren das erste Mal damit konfrontiert wurde da kam eine Patientin rein wo wir viele Schienen ausprobiert hatten und sagte Herr Doktor ist alles super.
00:21:39: mein Heilpraktiker hat mir noch ein bisschen von dem Botox in die kaum muskulatur gemacht war ich richtig sauer.
00:21:47: Damals war das schon in Amerika üblich, auch in Südeuropa.
00:21:49: Dass man das immer mal gemacht hat.
00:21:51: Aber mittlerweile kann man zeigen, dass man also einfach nur durch die Lehmung der Kaumusblätter... Also hier im Masseter-Bereich aber hier auch im Temporales Bereich die Aktivität so gut absenken kann, dass die Patienten deutliches Entspannungsgefühl haben.
00:22:05: Aber ich muss eben sagen, es hält nur drei bis vier Monate und muss dann wiederholt werden.
00:22:11: Manche kommen dann auch und lassen das regelmäßig machen.
00:22:14: Für mich ist es eher Ein Therapiemittel, was man vielleicht eher am Ende dann anwenden sollte.
00:22:19: Also nicht gleich als erstes abgesehen von den relativ großen Kosten.
00:22:25: Ja das wäre so ein kleiner Überblick.
00:22:27: Zu den Therapiemitteln die bestimmt auch eher am ende stehen?
00:22:30: Auch wenn sie eigentlich keine große Rolle spielen möchte ich nochmal kurz darauf eingehen auf die pharmacologische Therapie auch, die Systemtherapie.
00:22:37: da wurde ja alles mögliche schon ausprobiert von Antidepressiv über Dopaminagonisten bis hin zu Antihistaminika.
00:22:45: Bis jetzt ist aber noch kein Medikament zugelassen.
00:22:47: Es ist alles nur im Off-Labius möglich.
00:22:50: und was ich auch ganz spannend fand, das ist ja auch so dass genau diese Wirkstoffklassen umgekehrt als Auslöser gelten und als Risikofaktoren.
00:22:59: Was ist denn die Rationale dahinter?
00:23:01: Und welche Bedeutung haben aktuell Medikamente beim Zähne knirschen?
00:23:05: Ja, es ist tatsächlich so.
00:23:07: Es gibt da ein sehr schönes großes Schema von einem Pharmakologen was den Dopamin-Serotonin-Stoffwechsel darstellt und das ist offensichtlich egal.
00:23:16: also nee egal nicht.
00:23:17: aber es ist so dass sie den Stoffwechsel anregen können aber auch abschwächen und es kann über eine gewisse Wirkstoff oder Kette immer dazu führen, dass mehr Bruxismus kommt am Ende.
00:23:28: Insofern kann ich Ihnen das gar nicht so richtig beantworten.
00:23:30: Worauf man achten sollte, ist, dass es Medikamente gibt wie zum Beispiel ADHS-Medikament oder Antidepressiva die Proxismus auslösen und verstärken können.
00:23:40: Man kann natürlich da über eine Substitution nachdenken.
00:23:43: Das werden gerade bei Antidepresiva die Leute nicht so machen.
00:23:46: aber bei ADHS Medikament hatten wir in der letzten Zeit schon Patienten, die dann gewechselt haben wo der Proxissus ein bisschen weniger wurde.
00:23:53: Und für den Patienten ist es gut zu wissen, aha mein Medikament unterstützt das Ganze um so ein bisschen auch die Ezäologie, die Ursachen abzuqueren.
00:24:00: Für Sie als Zahnarzt was macht Ihnen denn so am meisten Sorgen mit Blick auf die Zähne?
00:24:06: Also gibt es irgendwelche Risiken und Langzeitfolgen, was auftreten kann wenn zähne Knirschen jahrelang unbehandelt bleibt.
00:24:12: Ja, das Problem ist eigentlich wir können ja heute eine ganze Menge versorgen und jeder weiß.
00:24:17: Wir können mit den Kompositen gut kleben da kann man auch kleinste Defekte relativ sicher behandeln.
00:24:22: Mit den Keramiken kann man hauchdünnes Chips anwenden.
00:24:25: Das Problem ist nur dass die Zahnabnutzung leider nicht gleichmäßig ist.
00:24:29: also wenn man jetzt sagen würde alle Zähne nutzen sich gleichmäßig im Jahr ich sage mal um fünfzig Mühe ab dann könnte man sagen okay nach zehn Jahren bauen wird ihr alle wieder um halben Millimeter auf.
00:24:40: Leider ist das sehr unterschiedlich, meistens geht es vorne in der Front los und dann bleiben alle Zähne auch weiterhin in Kontakt.
00:24:46: Das heißt je länger sich das Abnutz des zu schwierigeres ist am Ende zu restaurieren.
00:24:50: und spätestens muss man restaurieren wenn einzelne Zähnen so kurz sind dass man da keine Krone mehr festgeklebt krieg.
00:24:55: ich sage jetzt mal ganz lachst ja also sollte man relativ früh rangehen Und das ist auch ein gewisser Präventionsgedanke, dass man tatsächlich schon bei Teenagent darauf achtet, dass erste Defekte vielleicht schon mit Kunststoff repariert werden.
00:25:08: Wenn man dann weiterknirscht, knirscht mehr in der Grundstofffüllung, die fliegt dann vielleicht öfter mal raus was vielleicht frustrierend ist.
00:25:14: Das kann man ja vorher mit den Patienten klären, dass es wie so eine Art Dauerschutz für die Schiene ansehen.
00:25:18: Also das ist eigentlich unser Hauptproblem.
00:25:21: Ansonsten sind die Beschwerden pflüchtig und gehen müssen nicht chronisch immer bleiben als was die Schmerzen jetzt angeht.
00:25:29: Und selbst die tiefer Gelenke sind sehr robust, sie können eine ganze Menge aushalten.
00:25:33: Aber es ist letztendlich die Zahnsubstanz, die dann vielleicht noch mit schlechten sauren Ernährungsmitteln weiß ich irgendwelchen Softdrinks oder so weiter zusätzliche Abnutzung führen und deswegen muss man relativ früh gucken auch noch schnell.
00:25:46: ein anderes Problem ist dem Patienten ist das oft nicht klar.
00:25:49: Die merken das erst wenn die Zähne soweit runter sind.
00:25:52: dass weiß ich.
00:25:53: der Ehe-Partner beim Frühstück sagt Mensch jetzt müssen wir mal gehen, die Zäne sind ja schon so kurz dann ist es aber eigentlich schon in Brunnen gefallen.
00:26:00: Also man sollte relativ früh schon die Defekte dann in Griff kriegen.
00:26:04: Okay, also es ist schon auch sinnvoll das Frühzeiten zu detektieren und dann entsprechende Maßnahmen in die Gegend zu leiden?
00:26:10: Genau!
00:26:11: Zum Schluss vielleicht noch eine Frage was Sie unseren Hörern so ganz konkret mit auf den Weg geben könnten.
00:26:18: Welche Tipps – Sie hatten vorhin auch schon Drogen zum Beispiel angesprochen – Drogenkonsum und andere Risikofaktoren Schlafhygiene, wer da vielleicht auch noch zu nennen.
00:26:27: Was gibt es in so ganz komplette Tipps die Sie vielleicht Ihren humanen medizinischen Kollegen noch mit auf den Weg geben könnten?
00:26:33: Naja wenn so Schlafstörungen da sind und Kopfschmerzen und weil das man ruhig auch mal an Bruchismus denkt dass man weiß man kann mit China Physiotherapie und einem Zahnarzt der sich vielleicht noch ein bisschen besser damit auskennt helfen die ganze Sache anzugehen, also einfach nur an Bruxismus denken und wenn man Botox verwendet und anwendet das nicht vielleicht immer gleich als erstes anzuwenden sondern die ganze Sache auch ein bisschen.
00:26:59: Wie sagt man so ganzheitlich im psychischen Sinne Stressbewältigung zu sehen dass man zusammen mit den Patienten die Sache angeht und die Therapie plant?
00:27:10: Gut!
00:27:11: Das war doch ein schönes Schlusswort.
00:27:13: in diesem Sinn sind wir schon am Ende unseres Podcasts zu Bluxismus anbelangt.
00:27:19: Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinem Gesprächspartner Dr.
00:27:22: Lange, vielen Dank Herr Lanne.
00:27:24: nach Berlin!
00:27:25: Ja, vielen dank auch und schöne Zeit
00:27:28: Und auch Ihnen liebe Hörer natürlich ein Dankeschön fürs Zuhören und dann gerne bis zum nächsten Ärztetag-Podcast Tschüss.