ÄrzteTag

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Hausarzt zu Kodierhilfen: „Die Umsetzung der Dauerdiagnosen ist eine Katastrophe“

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Die Kodierhilfen für die Diagnosenschlüssel haben nach ihrer Einführung zu Jahresbeginn noch keine großen Schlagzeilen gemacht. Es gebe keine negativen Rückmeldungen von der Basis, meldeten in der vergangenen Woche die KBV-Vorstände Dr. Andreas Gassen und Dr. Stephan Hofmeister im Interview mit der „Ärzte Zeitung“. Also alles in Butter? Mitnichten! Wir haben beim Hausarzt Dr. Christoph Claus nachgefragt, der ein anderes Bild zeichnet, vor allem von der Dokumentation der Dauerdiagnosen.

Claus, in Nordhessen in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen und berufspolitisch im Hausärzteverband Hessen aktiv, hat in seiner Software bemerkt, dass Dauerdiagnosen, die bereits länger zurückliegen, aus den behandlungsrelevanten Diagnosen entfernt werden, ohne dass er dies bemerkt. Er befürchtet, dass Ärzte, die nicht darauf achten, in eine Regressfalle laufen könnten – zum Beispiel, weil sie Medikamente aufschreiben, ohne dass dies Bezug zu einer Behandlungsdiagnose hat. Auch Chronikerpauschalen oder die P3 im Hausarztvertrag könnten in solchen Fällen gefährdet sein.

Im Podcast erläutert Claus, wie er sich dagegen schützt, warum er sich über die Zusatzarbeit ärgert und was manche KVen zum Schutz ihrer Mitglieder tun könnten, um die Fehlerwahrscheinlichkeit zu reduzieren.


Kommentare

by Hausärztin in Niedersachsen on
Danke an die Ärztezeitung für diesen wichtigen Beitrag, danke an Herrn Dr. Claus, dass er uns Hausärzten durch seine Arbeit hilft, auch dieses neue sinnfreie Bürokratiemonster zu erfassen. Mitten in der Pandemie (und auch sonst) hätte ich lieber mehr Zeit für meine Patienten, als meine Zeit mit Prüfläufen zu verschwenden, die dem Ziel dienen, Geld zwischen den Krankenkassen hin- und herzuschieben getreu dem Motto: Wer aus einer Mücke einen Elefanten codiert, hat gewonnen.

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