00:00:03:
00:00:06: Herzlich willkommen zum Ärztetag, dem Podcast der Ärztzeitung.
00:00:10: Haben Sie schon mal von Silent Shopping gehört?
00:00:13: Einige Supermärkte bieten, manchmal oder auch regelmäßig, die Möglichkeit, zum Beispiel bei gedämpften Licht und ohne Musik einkaufen zu gehen.
00:00:20: Was soll das?
00:00:21: Die Antwort für reizempfindliche Menschen, beispielsweise im Autismus-Spektrum, sind viele Alltagssituationen richtig schwierig zu bewältigen, weil die vielen Sinnes ein Drücke ihr Gehirn konstant überfordern.
00:00:32: Handel- und Dienstleister passen sich an?
00:00:34: Stichwort Silent-Cut bei Friseuren oder auch Silent-Airports.
00:00:38: Aber auch Ärzte können etwas tun, um ASD-Patienten den Praxisbesuch zu erleichtern und umgekehrt, dies auch einfacher und besser zu behandeln.
00:00:46: Professor Kstine Freitag leitet die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum in Frankfurt und forscht intensiv über Autismus.
00:00:57: Sie hilft uns zu verstehen, wie solche Patienten empfinden.
00:01:00: Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Professor Freitag.
00:01:03: Gerne.
00:01:04: Viele Menschen im Autismus-Spektrum filtern und verarbeiten alltägliche Reize wie Gerüche, anders als nichtautistische Menschen.
00:01:10: Man spricht von sensorischen Integrationsschwierigkeiten oder auch sensorischer Empfindlichkeit.
00:01:15: Nehmen Sie uns mal mit in den Kopf eines Menschen mit ASD, also Autism Spectrum Disorder.
00:01:19: Was passiert dort bei Überempfindlichkeit?
00:01:22: Gut, in den Kopf können wir nicht schauen.
00:01:24: Aber dass die Reaktion und auch was eben autistische Personen selbst berichten, kennen wir natürlich.
00:01:31: Und der Eindruck ist, dass eben die Überforderung ist richtig und dass es eben bedeutet, dass sie sehr viele Details wahrnehmen und oft auch unwichtige Details nicht richtig rausfiltern können.
00:01:43: Und das ist eben gerade bei Lärm, aber auch bei Sprache, manchmal auch bei visuellen Sachen wichtig, aber insgesamt bei Lärm und Sprache.
00:01:53: Okay, wie hoch ist denn die Prävalenz von ASD in Deutschland ungefähr?
00:01:56: Also wir gehen davon aus, es gibt in Deutschland keine speziellen Zahlen, aber wir gehen davon aus, dass es eben so was um die ein Prozent ist der Bevölkerung.
00:02:07: Also, achthunderttausend grob
00:02:08: könnte man sagen.
00:02:09: So, ja, genau.
00:02:10: Oder ein bisschen drunter, ja, aber ungefähr die Richtung.
00:02:12: Jetzt haben wir schon mehrfach den Begriff ASD erwähnt.
00:02:15: Im ICD-X-Katalog gab es noch verschiedene Subdiagnosen, wie zum Beispiel frühkindlichen Autismus, Asperger oder atypischer Autismus.
00:02:23: Diese wurden jetzt bei ACD-XI unter dem einheitlichen Begriff Autism Spectrum Disorder vereinheitlich.
00:02:29: Das ist A-A-Zwei.
00:02:31: Finden Sie die Vereinheitlichung richtig oder war die alte Aufgliederung sinnvoller?
00:02:36: Die Vereinheitlichung ist sehr richtig, die ist auch sehr gut durch Studien belegt.
00:02:40: Die ist auch schon länger in der US-amerikanischen Klassifikation enthalten.
00:02:45: Das heißt das sogenannte Diagnostik und Statistic Manual on Mental or Psychiatric Disorders.
00:02:52: Da wurde damals auch schon Evidenz basiert.
00:02:56: sehr genau geschaut, kann man wirklich diese drei unterschiedlichen Krankheitsbilder wirklich trennen anhand von Symptomen, aber auch anhand der Neurobiologie.
00:03:06: Und das ist praktisch nicht möglich.
00:03:08: Es ist aber ein Spektrum.
00:03:10: Das heißt, wir gehen davon aus.
00:03:11: Also das, was übereinstimmend ist, ist das praktisch die Person, in der sozialen Interaktion und Kommunikation gewisse Schwierigkeiten und Einschränkungen haben.
00:03:22: Die sind natürlich sehr unterschiedlich ausgeprägt.
00:03:25: Das macht es auch nicht so einfach, weil bei denen, die es gering ausgeprägt haben, fällt es oft gar nicht so stark auf.
00:03:32: Bei denen, was natürlich stark ausgeprägt ist, fällt es sofort auf.
00:03:35: Das merkt dann auch jeder, auch jeder Laie.
00:03:38: Aber es gibt eben alles dazwischen.
00:03:39: Und der zweite Bereich sind dann die Stereotypen und repetitiven Verhaltensweisen und die Sonder.
00:03:45: und besonderen Interessen, die sehr stark verfolgt werden und wo dann praktisch nur auf dieses eine Thema fokussiert wird.
00:03:52: Und das ist sozusagen das Überschneidende zwischen allen Menschen mit Autismus-Spektrumstürm, also diese zwei eingeschränkten Bereiche.
00:03:59: Aber der Schweregrad ist unterschiedlich und die Ursachen sind sehr unterschiedlich.
00:04:04: Und in ICD-Eilf ist es jetzt einfach so, man hat eben gesagt, es ist eine Spektrumserkrankung.
00:04:12: und mit unterschiedlich schwerer Ausprägung, also mit oder ohne Sprachentwicklungstürm, mit oder ohne E-Q-Minderung.
00:04:19: Und das entspricht eigentlich der aktuellen Stand der Forschung.
00:04:23: Und man muss eben gerade auch ärztlicherseits wissen und letztlich aber auch therapeutischerseits, wenn man psychosoziale Interventionen macht, dass nicht jedes Kind, jeder Jugendliche, jede erwachsene Person mit Autismus-Spektrumstürm gleich ist.
00:04:38: sondern man muss individuell tatsächlich genau schauen, welche Unterstützungsmaßnahmen sind überhaupt notwendig.
00:04:44: Also das heißt nicht, wenn man die Diagnose hat, dass man unbedingt eine Therapie braucht.
00:04:48: Das ist tatsächlich nicht so.
00:04:49: Okay.
00:04:50: Was sind denn die wichtigsten Anzeichen?
00:04:53: der Atomspektrum Bestörung bei der ärztlichen Diagnose?
00:04:56: Exakt.
00:04:56: Das ist jetzt sehr unterschiedlich, ob ich jetzt im Kinder, Jugend- oder Erwachsenenbereich arbeite.
00:05:01: Weil tatsächlich im Kindesalter Wir sind die schweren Betroffenen.
00:05:08: Wir wissen auch, dass es eine große Diskussion gibt.
00:05:11: ob die Prävalenz zunimmt und auch die Diagnosen im Erwachsenenalter korrekt sind und so weiter.
00:05:17: Und im Kindes- und Jugendalter ist es sehr klar, dass da die Einschränkungen deutlich sind, immer, wenn es um das eingebunden sein in der Gruppe geht.
00:05:30: Also das sind in der Regel Kinder, die ziemlich eher sehr alleine spielen oder manchmal auch gar nicht richtig spielen, sondern nur Stereotypen für Verhaltensweisen haben.
00:05:40: Es ist große Schwierigkeiten haben, Freundschaften zu knüpfen.
00:05:44: Oft wenig Verständnis für komplizierte, soziale Interaktionen oder auch zum Beispiel Ironie oder auch die Intention von anderen Kindern oder auch von Erwachsenen angeht.
00:05:57: Das ist so klassisch, was den Personen schwerfällt.
00:06:00: Und oft eben auch diese Veränderungsängste oder Veränderungsresistenz.
00:06:05: Also wenn sich plötzlich was ändert im gewohnten Alltag, dann kann das eben zu Wut anfangen.
00:06:10: oder auch eben diese Sonderinteressen.
00:06:12: Und das ist eine, die im Kindes- und Jugendalter schon deutlich.
00:06:14: Und dann gibt es natürlich noch die Kinder, die auch noch eine Sprachentwicklungsstörung haben und auch eine EQ-Minderung.
00:06:19: Das sind ungefähr fünfzig Prozent der Kinder, die in der Autismus-Spektrum-Störung haben.
00:06:23: Und da ist es schon tatsächlich relativ gut abzukränzen.
00:06:28: in diesem leichteren Bereich.
00:06:31: Und auch im Jugendalter, auch bisschen bei Mädchen, die oft durch andere Mädchen auch oft sozial unterstützt werden, ist es oft schwerer, die Diagnose zu stellen, vor allem, wenn die eben leichter betroffen sind.
00:06:41: Weil die Sonderinteressen irgendwie bis hin sozial angepasst sind als bei den Jungs.
00:06:47: Und deswegen gibt es auch sehr viel Streit rüber, ob die Diagnosen bei Frauen im Erwachsenenalter wirklich alle stimmen.
00:06:54: Und man muss auch sagen, es ist schon nicht gerade trivial.
00:06:57: z.B.
00:06:58: ein reines ADHS oder auch eine soziale Phobie von einer leicht ausgeprägten Autismus-Spektrumstörung abzugrenzen.
00:07:06: Und im Zweifelsfall ist es eigentlich relativ klar.
00:07:09: Wenn ich klare Diagnosekriterien von ADHS und von der Soziallephobie zum Beispiel habe, dann behandle ich diese Krankheitsbilder-Lege-Artist, nämlich ADHS ist natürlich Medikamentös.
00:07:20: Soziallephobie mit Verhaltenstherapie und gegebenenfalls kombiniert auch mit Serotonin-Wiederaufnahmehämmern.
00:07:26: Und wenn das gut behandelt ist und trotzdem die Schwierigkeiten weiterbestehen, also gut behandelt, heißt einfach, ich habe die Medikation einen bis zwei Monate durchgeführt und habe durchaus auch Soziallephobie-Expositionstherapien probiert.
00:07:38: und so weiter.
00:07:40: Und wenn ich dann aber merke, okay, das sind wenig Fortschritte, die Schwierigkeiten vor allem in der sozialen Interaktion sind weiter groß, dann kann man davon ausgehen, dass mehr vorliegt als ADHS und soziale Phobie und dann kann man die Autismus-Spektrum-Skriterien nochmal getrennt überprüfen.
00:07:56: Also man muss schon sehr schauen, dass die sozialen Interaktionsprobleme nicht durch andere Erkrankungen hervorgerufen sind, sondern wirklich auf den Autismus zurückgehen.
00:08:05: Sie haben gerade erwähnt, dass Mädchen vielleicht oft zu Unrecht diagnostiziert werden, wird es bei einem geschlecht häufiger diagnostiziert?
00:08:11: Nein, ich meine nicht zu Unrecht, es ist noch schwerer zu differenzieren bei Mädchen oft, weil die oft sozial angepasst sind.
00:08:16: Also es ist eigentlich so, dass man an davon ausgehen muss, dass Mädchen eher unterdiagnostiziert sind.
00:08:22: Und das ist ein Grund ist, warum dann im jungen Erwachsenenalter vermehrt Frauen diagnostizieren werden, weil halt im Kinder- und Jugendbereich das möglicherweise zu wenig auffällt, weil die oft durch die soziale ... Das ist ein Netzwerk von Freundinnen, die sich um sie kümmern.
00:08:37: Da fällt das oft nicht so stark auf, dass sie da Schwierigkeiten haben.
00:08:40: Weil die anderen Mädchen oft sehr sozial sind und sie einfach unterstützen.
00:08:43: Jetzt
00:08:44: gibt man sogar den Begriff Asperger schon aus TV und Filmen.
00:08:48: Welche Typen gibt es hauptsächlich im ASD-Spektrum?
00:08:52: Das Asperger-Syndrom ist halt nicht valide.
00:08:54: Deswegen ist das ja auch etwas aufgelöst.
00:08:57: Es ist letztlich so, die unterschiedlichen Typen, die eine ist mit und ohne IQ-Binderung.
00:09:03: Das ist ganz wesentlich, weil natürlich, wenn ich einen Kind oder einen Jugendlichen oder eine erwachsene Person mit einem niedrig ausgeprägten IQ, dann ist es natürlich logisch, dass da noch viel mehr Schwierigkeiten dazu kommen, die über den Autismus hinausgehen.
00:09:16: Sprich natürlich, ganz klar kann so eine Person letztlich nie selbstständig im ersten Arbeitsmarkt arbeiten, sondern da ist tatsächlich ganz viel natürlich alltragspraktische Unterstützung und Förderung auch bis ins Erwachsenenalter in der Regel notwendig.
00:09:32: und oft enthalten natürlich auch das Leben in betreuten Wohnen oder in eine Heimeinrichtung, wenn nicht bei Menschen mit IQ Minderung.
00:09:39: Und das heißt, der IQ spielt eine große Rolle, was möglich ist auch in der Entwicklung.
00:09:44: Deswegen ist der IQ eines der Kriterien der Subklassifikation sozusagen.
00:09:51: Und dann natürlich, ob jemand überhaupt Sprache entwickelt oder nicht und wie gut die Person sprechen kann.
00:09:56: Und da ist es so, dass das natürlich durch Förderung ... kann das Sprechen lernen deutlich verbessert werden.
00:10:02: Das muss aber frühzeitig passieren, also letztlich zwischen zwei und vier, weil das sonst nicht mehr so gut auffohlbar ist.
00:10:10: Und natürlich hängt auch das Niveau, was ein Kind erreicht, auch bezüglich der Sprache, sehr stark von dem genetischen Hintergrund ab.
00:10:18: Also es gibt eben Kinder, die können nicht mehr eins, zwei Wörter wirklich lernen, weil die einfach so ein starkes Risikofaktor haben, zum Beispiel auch, dass sie rezeptive Sprache gar nicht gut verstehen.
00:10:31: Und das ist ganz stark genetisch bedingt.
00:10:33: Das ist oft auch einfach Zufallskonstellation.
00:10:37: Aber wenn ich genetisch bedingt eben so stark eingeschränkt bin, dann habe ich auch bei mir der besten Förderung.
00:10:42: Nicht so starke Entwicklungschancen, das muss ich einfach ganz klar sagen.
00:10:46: Wenn ich genetisch weniger stark eingeprägt, sozusagen eingeschränkt bin und eher in diesem leichter ausgeprägten Bereich mich befinde und keine IQ-Minderung haben und nur eine leichte Sprachentwicklungsverzögerung, dann kann das Kind durch Förderung natürlich sehr, sehr viel mehr aufholen.
00:11:01: Das ist logisch.
00:11:02: Und das ist auch sehr gut durch Studien gezeigt.
00:11:05: Interessant.
00:11:07: Es gibt es auch Standarddisixte, Screening und Diagnose-Tools, wie zum Beispiel ADO-II, SRS oder CAS.
00:11:13: Wie beurteilen da die Aussagekraft bei den unterschiedlichen Altersgruppen?
00:11:16: Da soll es ja insbesondere im Vorschulalter Schwierigkeiten geben.
00:11:19: Exakt.
00:11:20: Eigentlich hat sich das durch die Studienlage deutlich verbessert.
00:11:23: Aber tatsächlich gibt es bestimmte Dinge, die sind gar noch nicht so stark in unserem Gesundheitssystem etabliert.
00:11:29: Das ist zum Beispiel ein sogenannter M-Chut, heißt der, ich denke, können letztlich auch Kinderärzte durchführen.
00:11:35: Da gibt es eine bestimmte revidierte Form, wenn man die zweimal im Abstand von, sagen wir mal, drei, vier Monaten durchführt.
00:11:42: Und das ist immer noch stabil, dass das erzeigt, dass das Kind vom Spielverhalten oder auch von der sozialen Interaktion eingeschränkt ist, dann sollte man sozusagen das abklären.
00:11:50: Also das ist ein gutes Screening-Instrument, geht aber nur für kleine Kinder.
00:11:54: Also es ist schon so achtzehn Monate bis drei Jahren und weiter nicht.
00:11:57: Und vor allem muss man eben sagen, das sollte man vor allem bei Kindern einsetzen, wo man eh einen Verdacht hat auf einer Entwicklungsstörung.
00:12:04: Also ein gesundes Kind, was sich völlig gesund entwickelt, da muss man ... auf keinen Fall ein Screening machen, geht natürlich ganz genauso für alle Jugendlichen und für Erwachsenen.
00:12:14: Wer keine Schwierigkeiten hat, der soll kein Screening machen.
00:12:17: Wer eine andere psychische Störung hat, sollte die auch erst mal richtig behandeln, wenn es geht.
00:12:22: Und erst wenn die Verhandlungsversuche ... Wie gesagt, nicht positiv ausfallen.
00:12:29: über einen längeren Zeitraum, also sagen wir mal viertel bis halbes Jahr.
00:12:33: Und die sind auch richtig durchgeführt, gemäß der Evidenz.
00:12:36: Dann sollte ich nach dem Autismus schauen.
00:12:38: Das betrifft z.B.
00:12:40: oft auch Patienten mit Essstörungen, weil z.B.
00:12:42: Frauen mit Autismus haben oft auch Essstörungen, die aber atypisch sind.
00:12:45: oder halt natürlich das Thema Angst.
00:12:48: Da kann sich manchmal auch ein Autismus dahinter verbergen, weil viele Menschen mit Autismus haben auch eine Angststörung.
00:12:54: Aber es lässt sich manchmal nicht gut differenzieren, deswegen sollte man das vorher behandeln.
00:12:57: Und man sollte eben nicht, wenn man eine unbehandelte psychische Störung hat, unbedingt so ein Screening-Instrument haben, also eine andere psychische Störung, weil die alle sehr hoch ausfallen.
00:13:08: Das muss man wissen.
00:13:10: Wir haben das auch schon mal gezeigt, zum Beispiel beim SRS.
00:13:15: Wenn ich Kinder mit Sozialophobie und Kinder mit Autismus vergleiche, da ist der SRS zum Beispiel fast gleich hoch ausgeprägt.
00:13:23: Das heißt, der differenziert eben nicht zwischen Sozialophobie und Autismus oder auch bei Störungen des Sozialverhaltens.
00:13:28: Also es sind Kinder, die auch so oppositionelles Verhalten haben.
00:13:32: oft auch andere Kinder ärgern.
00:13:34: Auch da differenziert der SRS nicht ausreichend.
00:13:37: Das heißt, das reicht nicht.
00:13:38: Sondern ich muss eigentlich die anderen Diagnose geben.
00:13:41: Und erst wenn ich darüber hinaus noch artistische Symptome habe und die auch stabil bleiben, dann kann ich eigentlich die Diagnose wirklich überprüfen.
00:13:50: Und dann darf ich mich aber nicht auf einen einzigen Fragebogen überlassen.
00:13:53: Was
00:13:53: meinten Sie mit atypischen Essverhalten eben?
00:13:55: Also zum Beispiel so selektives Essen, also dass man nur bestimmte Dinge ist.
00:14:00: Also zum Beispiel was weiß ich nur Nudeln mit Butter oder so was.
00:14:04: Nudeln mit Tomatensauce und eben oder immer was ganz ähnliches mit gleicher Konsistenz und gleicher Farbe und so was.
00:14:10: Das gibt es häufig bei Autismus.
00:14:13: Mit Alltrackern kann man anhand der Augenbewegung zeigen, dass ASD-Patienten Schwierigkeiten haben, den Fokus zu wechseln.
00:14:20: Daher kennen Sie Emotionen gesich dann schlechter.
00:14:23: Jetzt habe ich in einem Fernsehbeitrag gesehen, dass Sie und Ihr Team als Therapie mit Harry Potter-Filmen angesetzt haben.
00:14:29: Was haben Sie da konkret gemacht?
00:14:30: Genau,
00:14:30: das sind ein bisschen was anderes.
00:14:31: Also die Therapie mit Harry Potter-Filmen, das war tatsächlich wirklich einfach ganz normales Computerbasiertestraining von sozialem Verständnis.
00:14:39: Also da haben wir vor allem so komplexere Dinge.
00:14:42: für Jugendliche untersucht.
00:14:45: Also da ging es darum, Situationen von Harry Potter rauszufinden, wo zum Beispiel das Kind sich überlegen sollte, was hat jetzt das andere Kind gedacht, was plant ist.
00:14:57: Und wir haben praktisch so Szenen rausgeschnitten, wo die Kinder dann in dem Spiel das ergänzen sollten.
00:15:04: Also die hatten dann, glaube ich, vier Möglichkeiten zur Auswahl und mussten dann genau raussuchen, wie geht es jetzt eigentlich weiter und warum geht es so weit?
00:15:13: Im Grunde so ein Quiz.
00:15:14: Wenn es nicht richtig war, haben sie eine Rückmeldung gekriegt.
00:15:16: Warum es nicht richtig war, dürfen sie noch mal probieren.
00:15:18: Das ist im Grunde dieses Erkennen.
00:15:21: Warum ist eigentlich eine Situation?
00:15:23: Warum gibt es Missverständnis?
00:15:26: Warum hat diese Person so gehandelt?
00:15:28: Dass sie sich in den Einversetzen können, in den anderen.
00:15:34: So ein Computerspiel haben wir auf Harry Potter entwickelt.
00:15:38: Das Eidracking sind andere Studien.
00:15:40: Was
00:15:40: war da?
00:15:41: Also beim Eidrücken machen wir vor allem im Kleinkind, Alter.
00:15:45: Weil tatsächlich diese frühen Auffälligkeiten, die gibt es eher nur bei kleineren Kindern, die verlieren sich im Laufe der Entwicklung, dann bei Jugendlichen und Erwachsenen.
00:15:52: Aber bei kleinen Kindern ist das deutlich.
00:15:54: Und da kann man sehen, dass die unterschiedliche ... Also das ist so eine Arrosel, heißt einfach eine Erregbarkeit des Aufmerksamkeitssystems.
00:16:03: Und das ist unterschiedlich zwischen Kindern mit Autismus und Kontrollpopulation.
00:16:07: Das kann man eben zeigen.
00:16:09: Es gibt auch jetzt schon so Ideen, dass man das vielleicht sogar zur Diagnostik verwenden kann.
00:16:13: Aber da muss man einfach ganz klar sagen, da ist die Studienlage überhaupt nicht gut.
00:16:17: Und da gibt es natürlich sogar schon kommerzielle Anbieter.
00:16:22: Da sollte man sich aber nicht drauf verlassen.
00:16:24: Das ist noch nichts, was man sagen könnte, das kann man jetzt in der Klinik einführen.
00:16:29: Wenn man einen Verdacht hat beim Kind mit Entwicklungsstörungen, kleinen Kindern zwischen acht, zehn Monaten, drei Jahren, da ist wie gesagt dieser M-Chat die revidierte Version gut.
00:16:39: Und der ist auch am besten da einzusetzen.
00:16:41: Und alles andere ist eigentlich aktuell nicht sinnvoll.
00:16:45: Für Menschen mit ASD ist ja unser Gesundheitssystem eine Herausforderung.
00:16:48: Der Gang zum Arzt wird zum Beispiel oft vermieden, da volle Wartezimmer überfordern sein können.
00:16:53: Welche Schwierigkeiten haben diese Patienten beim Arztbesuch?
00:16:56: Ja genau, es fängt schon vorher an.
00:16:57: Also das gerade Erwachsene mit Autismus haben schon sehr deutlich gesagt.
00:17:02: dass schon allein so ein Anmeldeprozess über das Telefon nicht gut ist.
00:17:05: Das heißt, was für autistische Personen herausragend ist, sind die schönen Online-Anmeldetools, die es mittlerweile gibt, was eigentlich auch die Ärzte entlastet.
00:17:13: Das heißt also so, das ist absolut zu empfehlen, dass man da die Möglichkeit schafft, wenn eben eine autistische Person in Arzttermin braucht.
00:17:19: Also sagen wir vielleicht Gönne-Kologin-Termine oder Dermatologin-Termine oder so was.
00:17:23: dass die Praxen wirklich sich bemühen, diese Online-Terminvereinbarungen zu machen.
00:17:29: Das kann man leicht umsetzen.
00:17:31: Was dann auch noch mal wichtig ist, dass die tatsächlich dann auch relativ, wenn der Termin vereinbart ist, keine ewig langen Wattezeiten haben, sondern direkt auch drangenommen werden.
00:17:41: Und dann muss man eben wissen, dass man sehr konkret mit Person mit Autismus reden darf.
00:17:47: Also keine so übertragenden ... Fragen.
00:17:54: Zum Beispiel auf die Frage, wie geht es Ihnen?
00:17:56: Kommen wenig gute Antworten.
00:17:57: Da muss man viel mehr sagen, warum sind Sie jetzt konkret zu mir gekommen?
00:18:02: Was haben Sie für ein konkretes Anliegen?
00:18:04: Und dann sehr konkret nachfragen und sich das auch zeigen lassen, wenn es Probleme gibt.
00:18:09: Also gerade Haut kann man sich auch zeigen lassen.
00:18:12: Da habe ich noch ein paar Tipps gelesen.
00:18:14: Vielleicht gehen wir mal durch und sagen, ob das nicht voll ist.
00:18:16: Zum Beispiel könnte man schon Architektur nicht was gestalten, indem man zum Beispiel Grillelichter vermeidet.
00:18:22: Das ist richtig, ja.
00:18:23: Absolut, das ist auch gut, ja.
00:18:24: Vorab
00:18:24: Infos zu parken oder die Praxisaufbauter auch helfen, damit Leute halt sich schon zu Hause quasi vorbereiten können auf dem Besuch.
00:18:31: Genau,
00:18:31: das ist auch immer alles, was Übersichtlichkeit erhöht.
00:18:35: Strukturierte Abläufe, was natürlich ganz super ist, aber was Praxen nicht immer schaffen, ist natürlich, zu sagen, das passiert.
00:18:41: wenn ich da komme, wo muss ich mich anmelden und so weiter.
00:18:45: Man muss sagen, das ist teilweise nicht so gut umsetzbar, aber was auf jeden Fall hilft, ist eine gute Beschilderung in der Praxis, die sollte man grundsätzlich sowieso haben.
00:18:54: Kurze Wege, also dass das relativ klar ist, farblich, das gut markiert, was ist jetzt Anmeldung, was ist jetzt Wartepereich, wie lang dauert es, das ist auch immer hilfreich, ist auch schwer zu sagen oft, aber manchmal ist auch mit so Nummern, dass man weiß, man kommt nacheinander dran, hilft wahrscheinlich auch.
00:19:11: nicht, dann ist auch ein wichtiger Punkt.
00:19:13: Sie haben es gesagt, ein Online-Patientenaufwuchssystem wäre optimal, auch dass die Menschen entweder direkt im Behandlungszimmer oder gar im Auto warten können.
00:19:22: Gut, das gibt es halt oft nicht, aber das wünschen sich viele.
00:19:27: Anderssohne ist es jetzt für Arzt natürlich auch ungewohnt mit der Gruppe umzugehen.
00:19:31: Haben Sie da noch während der Behandlung Tipps, was man machen sollte oder besser nicht machen sollte?
00:19:36: Also, ich denke, man sollte schlichtweg offen sein.
00:19:39: Tatsächlich ist Hektik und Stress nicht so gut.
00:19:43: Okay.
00:19:43: Weil das können viele autistische Menschen nicht gut einordnen.
00:19:47: Und man muss auch wirklich sagen, dass die meisten durchaus schlechte Erfahrungen gemacht haben.
00:19:52: Weil die werden in der Schule oft gemobbt, oft wird das missverstanden.
00:19:55: Also, das heißt, man muss wissen, wenn jemand mit Autismus kommt, die hat meistens ein Päckchen an, sagen wir mal, nicht ganz einfachen, zwischenmenschlichen Erfahrungen zu tragen.
00:20:03: Und wenn dann jemand ... dann macht es die unsicher.
00:20:09: Je mehr Ruhe man ausstrahlt, umso besser.
00:20:11: Das ist immer gut.
00:20:13: Und dann, wie gesagt, so kurz.
00:20:15: Und so konkret wie möglich.
00:20:18: Und auch nichts reininterpretieren.
00:20:23: Alleine in der Praxis kommt sowieso noch eine Person mit Autismus, die gut begrabt ist und auch sprechen kann.
00:20:29: Sonst kommen die nicht alleine in die Praxis, sonst haben die eine Betreuung dabei.
00:20:32: Das ist ja klar, wenn es jemand ist, wenn er nicht sprechen kann und eine IQ-Minderung hat.
00:20:36: die kommen alleine nicht in der Praxis.
00:20:38: Das heißt, mit den Menschen, die alleine in der Praxis kommen und der Autismus-Spektrum-Störung haben, da braucht man überhaupt keine Angst davor haben, die sagen einem schon, wenn es ihnen nicht passt.
00:20:48: Ja, das sagen sie relativ direkt, man darf nicht kränkbar sein.
00:20:53: Also, wenn dann direkt jemand sagt, damit kann ich nichts anfangen, dann ist es erst mal so, es sollte mal stehen lassen.
00:20:59: Und dann eher nochmal nachfragen, was brauchen sie denn, damit sie, damit sie was damit anfangen können, kann ich es anders ausdrücken zum Beispiel.
00:21:06: oder einfach irgendwie lieber ganz vorurteilsfrei noch mal nachfragen.
00:21:09: Kann man auch von Zeit und Zeit wieder Ärzte machen.
00:21:12: Ich hab mir auch sagen lassen, es wäre sinnvoll, Körperkontakt vorher anzukündigen.
00:21:16: Gar nicht zu machen, beziehungsweise wenn man eine körperliche Untersuchung machen muss, dann das richtig absolut vorher ankündigen und auch vorher sagen, was man macht.
00:21:23: Das ist ganz wichtig, weil das ist unangenehm für viele Menschen mit Autismus.
00:21:27: Es geht
00:21:27: immer um klare Abläufe, die Sie nachvollziehen.
00:21:29: Es ist aber auch für alle Menschen hilfreich.
00:21:31: Also das ist insgesamt gut, wenn man sich angewöhnt.
00:21:34: solche Dinge vorher kurz zu besprechen und zu erklären, was man macht, weil dann haben auch ängstliche Menschen weniger Probleme.
00:21:40: Ja, klar.
00:21:42: Jetzt habe ich die ganze Zeit gefragt, haben Sie noch etwas, was Sie unseren Hörern zum Thema mitgeben würden?
00:21:46: Also ich würde gerne sozusagen die Sonderstellungen, in das man immer denkt, da muss man was ganz Besonderes machen, so ein bisschen reduzieren.
00:21:53: Also man sollte es den Menschen erleichtern, mit den Punkten, die wir hatten.
00:21:58: Aber andererseits sollte man nicht für sich selber das Gefühl aufbauen als Ärztin oder Arzt.
00:22:01: Mit den Menschen kann ich nicht umgehen, also behandle ich die nicht, weil das ist nicht in Ordnung.
00:22:05: Weil die haben natürlich genauso einen Recht auf eine gute medizinische Versorgung wie jeder andere.
00:22:09: Und ich finde schon, dass wir als professionelle Menschen uns darum kümmern müssen, dass sie sich bei uns wohlfühlen.
00:22:15: Das macht man grundsätzlich, ist das der Aufgabe für ärztliche Praxen, dass die das eigentlich... so gestalten sollten, dass es barrierefrei ist, niederschwellig und dass die Menschen, die einfach Ärzte brauchen, dann auch ... sich trauen, dahin zu gehen.
00:22:30: Das ist eigentlich grundsätzlich eine Aufgabe fürs Gesundheitssystem.
00:22:33: Und ich denke, dann würde ich sagen, wenn man das so gut wie möglich macht, dann sollte man die eigenen Ängste ablegen als Arzt oder Ärztin und sagen, ich träume das mal zu.
00:22:41: Und im Zweifelsfall kann man sich ja bei Experten auch mal ein bisschen Hilfe holen, wenn man sagt, okay, da hatte ich jetzt eine komische Erfahrung.
00:22:48: Was würden Sie denn sagen?
00:22:49: Das ist ja auch kein Problem, dass man da mal mit Kollegen drüber sprecht.
00:22:53: Absolut.
00:22:54: Ja, viele interessante Einblicke und Tipps für die Praxis.
00:22:56: Vielen Dank, Frau Bruster Freitag.
00:22:57: Sehr gerne.