00:00:03:
00:00:07: Für manche ist es Routine, für andere ist der Gang zum Arzt mit Angst und Stress verbunden.
00:00:11: So sehr dass sie ihnen wo es geht vermeiden!
00:00:14: Diese Angst vom Arzbesuch ist vor allem unter Menschen mit Behinderung verbreitet.
00:00:18: Dabei ist für Sie eine kontinuierliche Gesundheitsversorgung besonders wichtig – denn viele sind häufiger und schwerer erkrankt als Menschen ohne Behinderungen.
00:00:26: Und das ist Thema im heutigen Ärzte-Tag, dem Podcast der Ärzterzeitung.
00:00:30: Mein Name ist Bettina Kracht.
00:00:32: Ich spreche mit Dr.
00:00:33: Janina Schwabel.
00:00:34: warum diese Ängste so groß und was niedergelassene Ärztinnen und Ärzte tun können, um den Arztbesuch zu erleichtern.
00:00:41: Sie ist Neurologin und leitner Oberärztin am SIEMI, dem Sängelmann-Institut für Medizin und Inklusionen im evangelischen Krankenhaus Alstdorf.
00:00:50: Sie berät und schult seit längerem ÄrztInnen wie die Behandlung von Menschen mit Behinderung gelingen kann.
00:00:55: Hallo Fraschwabel schön dass sie da sind!
00:00:58: Der Begriff Behinderung umfasst ja ein weites Spektrum unterschiedlicher Krankheitsbilder und Beeinträchtigungen.
00:01:03: Angst bei Menschen mit einer Bestimmbinderung häufiger?
00:01:07: Oder ist das bei vielen oder allen zu beobachten.
00:01:11: Das ist natürlich sehr, sehr unterschiedlich.
00:01:12: Also es gibt sicherlich Patienten die auch sehr gerne zum Arzt gehen aber ich würde sagen insgesamt ist die Angst hoffiger vertreten und das hat ganz unterschiedliche Gründe also zb dass Patienten mit leicht geradener Intelligenzminderung vielleicht am Ende gar nicht verstehen was eigentlich besprochen wurde und dass Angst macht oder auch was vielleicht von mir erwartet wird als Patient dass sich das nicht erfüllen kann oder andere Patienten mit schwerer Intelligenzen wie auf überhaupt gar nicht verstehen was ein Arzt ist was eine Arztpraxis ist Situation drum herum, wie ein ganz kleines Baby überhaupt nicht verstehen.
00:01:44: Und können Sie noch mal mehr ausführen was die Gründe für diese Ängste sind?
00:01:49: Sie beraten ja auch Menschen mit Behinderung sozusagen von der anderen Seite, was sie tun können und kennen daher auch die Gründer besonders gut.
00:01:58: Ja, also ich würde jetzt einfach mal vielleicht ein Beispiel.
00:02:01: Das macht es ja am anschaulichsten meistens.
00:02:02: Also wenn ich jetzt mal einen Patienten mit leicht geradiger Intelligenzminderung mir vorstelle der im Alltag relativ gut zurechtkommt vielleicht sich schon selbst versorgen kann oder auch anziehen und so weiter Körperhygiene selber machen kann trotzdem nehmen viele eine Begleitung mit zum Arzt Und obwohl sie es vielleicht auch selbst zu Werkständigen könnten haben einfach Angst davor das alleine zu machen.
00:02:23: und das beginnt oft natürlich bei dem Weg.
00:02:25: der vielleicht unbekanntes finde Ich dass bin Wenn ich dann pünktlich und rechtzeitig oder was mache, wenn da irgendwas dazwischenkommt.
00:02:32: Wäre ich noch dran genommen?
00:02:33: Oder habe ich ein Problem?
00:02:35: Wie kann ich das kommunizieren, woran das liegt?
00:02:38: dann natürlich auch das Anmelden dort warten, mich richtig verhalten.
00:02:43: Und dann aber vor allem in der Situation.
00:02:45: beim Arzt ist ja oft Zeitdruck logischerweise da und da muss man auf Knopfdruck irgendwie funktionieren.
00:02:51: Und zum Beispiel sich ausziehen.
00:02:54: bitte entkleiden Sie sich jetzt mal vollständig die Unterwische darf aber anbleiben und liegen sie sich auf die Liege mit dem Kopf dort nach oben.
00:03:01: Das sind eigentlich vier Aufforderungen ein und das können viele Menschen Vielleicht gerade die Intelligenz, man muss so vielleicht nicht umsetzen und fühlen sich dann erst mal überfordert.
00:03:09: Und das muss ja dann auch schnell gehen.
00:03:11: oder auf den Punkt zu formulieren welche Beschwerden man eigentlich hat.
00:03:16: Was jetzt eigentlich das Hauptanliegen ist?
00:03:18: Das ist schon ganz schön schwierig, dass so auf einmal aus der Pistole geschossen dann zu sagen und nicht erstmal auszuholen und irgendwie alles
00:03:25: zu erklären.
00:03:26: Ja!
00:03:26: Das fällt vielen richtig schwer und deswegen brauchen sie Unterstützung und Begleitung dabei und wir können das natürlich ein bisschen leichter machen als Ärzte.
00:03:35: Was meinen Sie da genau?
00:03:36: Also sie im Semi haben ja mehr Zeit für Patienten.
00:03:41: Bei Hausärzten jetzt insbesondere ist es ja bekannt, immer wenig Zeit vorhanden.
00:03:48: was können Ärzte tun trotz Zeitdrucks und eben auch dass es häufig schwierig ist Leistung abzurechnen.
00:03:56: Es ist natürlich total schwierig weil sich viele Kollegen sehr gerne auch mehr Zeit nehmen würden für diese Gruppe, aber das einfach nicht möglich ist.
00:04:04: Weil ein riesen Wartezimmer voller Patienten ja nun mal da ist und die anderen auch dran kommen wollen usw.
00:04:10: Also wichtig ist vielleicht erst einmal dass sich die eigene Anspannung oder der Zeitdruck ja auf den Patienten überträgt.
00:04:16: also möglichst selber erstmal ruhig bleiben und das nicht zu sehr den das gegenüber spüren lassen dann die Fragen so konkret wie möglich formulieren, zum Beispiel lieber Ja-Nein-Fragen formulieren.
00:04:29: Das können Menschen mit Binderung oft leichter beantworten das ist einfacher da kommt man auch schneller zum Ziel was man eigentlich wissen will.
00:04:35: oder eben so Aufforderungen wenn wir jetzt eben bei den Beispielen sind ich eben gerade genannt habe eine nach dem anderen formulieren erst mal nur konkret sie brauchen nur in die Schuhe ausziehen so wenn das fertig ist jetzt dürfen Sie sich auf die Liege legen oder so.
00:04:49: das hilft ja auch schon Mal.
00:04:51: Genau, natürlich gibt es auch ganz andere Ängste vom Arztbesuch.
00:04:54: Viele haben zum Beispiel schlechte Erfahrungen in der Kindheit gemacht gerade so die älteren Patienten.
00:04:59: da ist man früher doch noch sehr sehr rupig mit den umgegangen.
00:05:02: wir haben richtige Phobien vor Ärzten, Krankenhäusern und das manifestiert sich oft an dem weißen Kittel.
00:05:09: also es hilft zb auch enorm den weißen kittel auszuziehen.
00:05:12: dann wird man nicht mehr als bedrohliche Person unbedingt wahrgenommen wenn es da Traumata gibt die man vielleicht gar nicht kennt.
00:05:19: Okay, ein häufiges Problem jetzt was ich nicht bei Ärzten kenne.
00:05:23: Sondern im sonstigen Alltag ist das Menschen mit Behinderung gar nicht
00:05:28: als
00:05:29: erwachsene Person wahrgenommen werden vielleicht oder häufig erst nur mit der Begleitperson gesprochen wird und nicht direkt mit ihnen oder sie nur mit Vornamen angesprochen werden.
00:05:39: spielt das auch eine Rolle dass man sich da drauf einstellen sollte?
00:05:43: Ja, das wird mir auch auf Druck gemeldet von Menschen mit Behinderung.
00:05:46: Also gerade von Menschen eben mit leichtgradiger Intelligenzminderung die eben doch viel alleine können und wollen.
00:05:53: also wenn sie eine Bezugsperson dabei haben einen Assistenten oder ein Elternteil dann sollte man das Gespräch trotzdem immer erst mal mit dem Patienten führen den angucken und ansprechen und nur wenn der halt zu seiner Bezugssperson zum Beispiel guckt oder man nochmal fragt oder soll das vielleicht ihre Begleitung beantworten?
00:06:10: Dann mit der Begleitungen kommunizieren.
00:06:12: aber Der Hauptansprechpartner sollte immer der Patient sein.
00:06:15: Und wie kann man das machen?
00:06:17: Also ich stelle, ich selber habe auch manchmal Probleme beim Arztbesuch wenn der Arzt mir Sachen erklärt dass sich denke okay das ist jetzt viel das muss ich mir alles merken.
00:06:27: Ich stelle mir das dann für Menschen mit Behinderung noch ein bisschen schwieriger vor.
00:06:30: gibt es da Tipps wie man sowas wie Diagnosen verständlich übermitteln kann und eben auch dass man zuhause nicht schon wieder alles vergessen hat?
00:06:38: Ja, am besten ist visualisieren tatsächlich.
00:06:41: Also auch tatsächlich für alle Patienten glaube ich.
00:06:44: also alles was man als Bild gesehen hat kann man viel besser erinnern als nur die Worte dazu.
00:06:49: und es gibt total tolle ganz viele Bilddateien, Bildkarten die man auch super laminiert einfach im Sprechzimmer liegen haben kann.
00:06:58: das hilft einem für ganz verschiedene Persongruppen das hilft ja mehr auch für Kinder die man vielleicht behandelt oder für ältere Patienten zum Beispiel mit Demenz.
00:07:05: also für viele Personengruppen hilft das total sehr kostengünstig, es ist nur eben einmaliger Aufwand sich das runter zu laden und zu laminieren oder einfach so in jedes Behandlungsthema zu legen.
00:07:17: Also ich empfehle das auch gerne den Notaufnahme-Teams bei denen ich manchmal bin dass die halt wirklich in jeder Kabine so Symbolkarten haben also zum Beispiel die Metakommensymbole eignen sich daher vorragend.
00:07:27: Da wird eigentlich jeder Gefühlsausdruck einmal verbalisiert.
00:07:31: Es gibt auch viele Ausdrücke mit verschiedenen Krankheiten oder Organen, oder Systeme oder welche Untersuchungen anstehen zum Beispiel in CT- oder MRT einfach als Bild oder eben die Schmerzskalen das kennt glaube ich jeder noch am ehesten von von null bis zehn.
00:07:45: wie schmerzverzerrt ist das Gesicht solches Skalen einfach als bild darliegen zu haben und dass kann man alles hervorragend nutzen um dann anhand der Bilder etwas zu erklären.
00:07:56: Das wird dann auch eher behalten.
00:07:58: Was sollten sich Ärztinnen und Ärzte noch vergegenwärtigen?
00:08:01: Hüpfig ist man ja im eigenen Berufsbestimmten Sachen blind gegenüber, und hält sie für selbstverständlich.
00:08:06: Also habe ich gehört es beispielsweise nicht allen Menschen bewusst mit- und ohne Behinderung dass es eine Schweigepflicht gibt Und die auch zum Beispiel gegenüber Eltern oder rechtlichen Betreuern gilt.
00:08:18: Ja absolut Da.
00:08:20: auch jemand, der eine gesetzliche Betreuung hat kann ja in bestimmten Dingen selbst entscheiden und soll das eben auch immer.
00:08:26: Also braucht nur den Betreuer wenn etwas selber wirklich nicht kann.
00:08:32: Auch da sollte man immer erst mal dem Patienten ansprechen und eine Schweigepflicht gilt genau gegenüber einem.
00:08:39: Was man sich sonst so gegenwärtigen sollte... sehr vieles.
00:08:42: Also vielleicht schon, dass das Wartennimm-Wartezimmer eben verfehler, schon eine total anstrengende Situation ist und dass man das alles ein bisschen entschärfen kann.
00:08:51: wenn man zum Beispiel die Patienten in Randzeiten also als erstes morgens zum Beispiel einbestellt wo das Wartetzimmer auch nicht so voll ist und es vielleicht noch nicht so zu langen Wartezeiten kommt dann ist sie ganze Situation im Behandlungszimmer viel einfacher.
00:09:05: zb Mensch mit Autismus oder so.
00:09:08: Der in diesen Wartesituationen, wohn ich klar als welche Tür geht gleich auf.
00:09:11: Was passiert eigentlich gleich?
00:09:13: Wie lange dauert das jetzt?
00:09:14: also?
00:09:14: für den ist so eine Situation wahnsinnig belasten.
00:09:17: der lässt sich danach vielleicht gar nicht mehr untersuchen.
00:09:19: Wenn ich ihn einfach als erstes morgens einbestelle dann klappt er es.
00:09:23: Also dann sowas kleine Kleinigkeiten man sich da vorher bisschen Gedanken drüber macht Das kostet auch nicht mehr Geld oder ist auch nichtmehr Aufwand und man macht sich das Leben ein bisschen leichter.
00:09:33: Und ich würde jetzt mal rauszuhören, auch einfach viel mehr kommunizieren.
00:09:36: Also sollte es doch zu Wartezeiten kommen
00:09:38: irgendwie
00:09:40: nicht einfach warten lassen sondern sagen woran es liegt und was gleich passieren wird
00:09:48: Genau.
00:09:48: Was gleich passieren wird, wie lange es ungefähr dauert oder was wir halt gerade machen zum Beispiel bei Menschen mit Autismus dass wir denen anbieten einmal unten spazieren zu gehen und wir notieren uns die Handynummer rufen dann schnell an sie sind ja auch dann schnell oben.
00:10:01: also solche Situationen entschärfen das Ganze und machen dann auch den ganzen Termin noch möglich überhaupt.
00:10:07: Also sonst... natürlich müssen da auch die medizinischen Fachangestellten von uns informiert werden wie Sie umgehen sollen mit solchen Situationen, dass sie das ruhig anbieden sollen.
00:10:17: Wir sagen hier auf diese Tür, das ist das Arztzimmer.
00:10:21: Darauf warten Sie, wenn die aufgeht da geht es gleich weiter oder so.
00:10:25: Das hilft auch schon mal ganz enorm, dass es das ein bisschen konkreter macht.
00:10:30: Wie sieht das mit anderen Patientenrechten aus?
00:10:32: Also zum Beispiel das Recht einfach Stopp zu sagen, die Behandlung abzubrechen oder zu sagen ... Das möchte ich jetzt nicht...
00:10:39: Selbstverständlich gilt das auch bei Menschen
00:10:40: mit Behinderung.
00:10:41: Wie kann man das im Gespräch einbringen und wie kann man Menschen mit diese Recht auch wahrzunehmen.
00:10:48: Ja, ich erlebe das oft so dass die Patienten nicht wissen, dass sie Stopp sagen können.
00:10:53: also tatsächlich weil ich glaube relativ häufig vielleicht auch im Alltag oder so je nach Umfeld einfach darüber hinweggegangen wird wenn sie stoppsagen vielleicht noch ein ja kindliches Verhalten ist bei den Patienten und dass eben auch sehr schwierig es da jedes mal drauf einzugehen.
00:11:07: Deswegen sage ich das einfach so, also wenn ich jetzt zum Beispiel untersuche beginne dann sage ich sie probieren das einfach mal wir gucken was möglich ist und was nicht.
00:11:16: Sie dürfen jederzeit stopp sagen und macht dann meistens auch eine Bewegung mit der Hand dazu um das nochmal zu visualisieren, dass diejenige eben auch einfach die hand hochheben kann.
00:11:25: Oder es gibt auch so Stoppkarten, die sind auch super.
00:11:27: Wenn man die im Behandlungszimmer liegen hat und vorher einmal erklärt hier sie dürfen auch im Gespräch jederzeit einmal die Karte heben und stoppsagen wenn Sie etwas nicht verstanden haben oder bei der Untersuchung, wenn Sie das nicht mehr möchten, das hilft ganz viel.
00:11:40: Das einfach zu erklären und zu sagen dass das gibt den Sicherheit, dass wir's selbst in der Hand haben und viele die eben vielleicht tatsächlich traumatisiert sind von medizinischen Prozeduren, auch fehlende Operationen.
00:11:52: Viele haben lange Leidensgeschichte, die schon im kleinen Kindesalter angefangen hat hinter sich und verbinden eben mit Krankenhaus- und Ärzten ganz viel Schmerzen und Leid und vielleicht auch Erlebnisse, die über ihren Kopf hinweg passiert sind.
00:12:05: Das ist einfach noch nicht verstanden oder so.
00:12:08: Und das gibt natürlich ... Wenn Sie das Gefühl haben, Sie haben es selber in der Hand und können jederzeit Stopp sagen, dann nimmt das diese Hilflosigkeit und die können sich besser darauf einlassen jetzt Untersuch zu werden.
00:12:18: Ich hatte ja vorhin schon gesagt, im Simi haben sie viel mehr Zeit für einzelne Patienten.
00:12:22: Aber Sie haben sogar die Möglichkeit erst mal einen Termin zum Kennenlernen auszumachen, dass der Patient oder die Patientin vorbeikommt und sich die Räume anguckt und vielleicht auch mal ein Stethoskop in die Hand nimmt.
00:12:34: Haben Sie Tipps wie ... Also ich gehe davon aus, das nicht abrechnen lässt über den EBM.
00:12:39: aber was gibt es da für Kniffs- und Tricks?
00:12:42: Wie niedergelassene Ärzte so etwas zumindest ein bisschen einrichten können.
00:12:48: Das hilft total, um die Angst zu nehmen und man kann ja zum Beispiel auch niedergelassene Ärzte anbieten.
00:12:54: dass sich jetzt zum Beispiel ein Patient mit Autismus einfach der vorher schon mal vorbeikommt und das Wartezimmer anschauen darf oder so.
00:13:01: Also, dann wird am Tag vorher vielleicht der Weg schon mal abgefahren.
00:13:05: Das ist keine unbekannte Strecke mit unbekannten Straßen, sondern das ist dann schon bekannt am nächsten Tag.
00:13:10: Es nimmt also schonmal bisschen die Angst auch für die Bezugspersonen ehrlich gesagt.
00:13:13: Die weiß dann auch schon ganz genau wo sie hingehen muss.
00:13:15: Muss ich da noch vor Ort vielleicht suchen?
00:13:17: Ist erstmal unsicher.
00:13:18: bin ich hier richtig!
00:13:19: Ist das das richtige Gebäude?
00:13:21: Ist es das richtige Stockwerk?
00:13:23: alles dann auf den Menschen mit Behinderung.
00:13:25: Und die können ja einfach mal an der Anmeldung Hallo sagen, kurz ins zweite Zimmer schauen vielleicht nochmal das Zimmer gezeigt bekommen wo dann immer Blut abgenommen wird und können wieder nach Hause gehen.
00:13:35: ich denke dass wird in den meisten Arztpraxen wahrscheinlich auch möglich sein wenn man das abspricht und es nimmt schon ganz viel von der Angst tatsächlich.
00:13:43: Man eben zum konkreten Raum zum konkreten Ort geht den man kennt ist das viel einfacher als wenn man zu einem unbekannten Ort geht.
00:13:51: Ein häufiges Problem ist, wenn ich es richtig herausgehört habe.
00:13:54: Dass es unter Menschen mit Behinderung häufiger dazu kommt, dass sie Arzttermine nicht wahrnehmen und dann in der Regel auch nicht absagen.
00:14:01: Und das ist ein Arztpraxen ja ein häufiges Ärgernis also nicht nur mit Menschen mit Behinderungen sondern überhaupt, dass Termine nicht abgesagt werden.
00:14:08: Und manche schließen Patienten deswegen aus.
00:14:11: können Sie sagen was denn aber der Hintergrund dafür ist?
00:14:14: Dass Menschen mit behinderen Terminen so häufig nicht wahr nehmen?
00:14:18: Was raten Sie da den Kolleginnen und Kollegen?
00:14:22: Das ist natürlich super ärgerlich, wenn Termine nicht stattfinden.
00:14:25: Die Ausfälle werden immer mehr und sind verständlicherweise total ärgerlig für jeden Kollegen!
00:14:32: Also es gibt bei Menschen mit Bindung da noch besondere Gründe, die häufig das noch verstärken.
00:14:37: Zum Beispiel wenn eine Begleitung dabei sein soll dann kann sie sich natürlich auch noch krank melden oder gerade in einer Wohngruppe und die Besetzung ist total schlecht an dem Tag und es ist nur ein Betreuer übrig.
00:14:47: der kann dann natürlich nicht los und einen einzelnen zum Arzt begleiten sondern muss sich um alle vor Ort dann kümmern und dann werden Termine abgesagt.
00:14:54: Also es betrifft nicht nur den Patienten selber, der natürlich krank werden kann wie jeder andere sozusagen.
00:14:59: Sondern das betrifgt ja dann oft auch noch die Begleitung oder die Umstände.
00:15:02: Einige kommen mit Krankentransporten.
00:15:04: hier muss man oft eine Woche voraus schon bestellen sonst klappt das alles nicht und der Transport verspiltet sich einfach um zwei Stunden oder solche Dinge.
00:15:11: Das kennen wir alle super ärgerlich!
00:15:13: Und also gibt's wirklich diverse Gründe.
00:15:15: oder die Strecke jetzt bei Schnee- und Eis kann eben mit Rollstühlen noch schwieriger bewerkstelligt werden als sonst.
00:15:21: Also ich würde immer raten, dass man ins Gespräch kommt und Lösungsmöglichkeiten sucht.
00:15:25: Wir bieten zum Beispiel deine Videosprechstunden als Ersatz an.
00:15:28: Da kann man vielleicht nicht alles machen was eigentlich an dem Tag geplant war, aber man kann zumindest einmal miteinander sprechen.
00:15:33: also gucken zb ob eine begonnene Therapie schon wirksam ist, ob man die Dosis erhöhen muss nochmal auch wenn sie zu uns Patienten teilweise ja auch ein Jahr lang gar nicht oder so weil es immer wieder irgendwie Probleme gibt.
00:15:46: So bleibt man in Kontakt und kann zumindest gucken was liegt gerade an?
00:15:49: Was ist da auch etwas Dringliches was eigentlich medizinisches angegangen werden müsste, muss derjenige vielleicht sogar ins Krankenhaus oder so.
00:15:56: Das kann man ja auch per Video dann erstmal lösen und dann ist es auch nicht ganz so ärgerlich weil man das ja immerhin auch abrechnen kann.
00:16:02: Oder wir bieten halt auf Patienten an die... sonst begleitet kommen würden, dass sie doch ruhig alleine kommen sollen mit einem Krankentransport oder mit dem Taxi und wir uns vor Ort um diejenigen kümmern.
00:16:16: Wenn das der Grund ist für die Absage, dass man dann vielleicht die Ausfälle vermindert.
00:16:22: Und
00:16:23: Sie arbeiten ja... Oder das SEMI ist ein medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung?
00:16:29: Und ich habe immer einen Herzenvertreter auf einer Podiumsdiskussion gehört, der meinte für Menschen mit Behinderung gäbe es ja eben diese MZEB und die seien dort am bestmöglichsten versorgt.
00:16:39: Aber so einfach ist das ja nicht oder?
00:16:42: Was sind da die Voraussetzungen für die Versorgung?
00:16:46: Es ist tatsächlich sehr unterschiedlich je nach Bundesland und je nach Verhandlungen, die das MZDb mit den Kassen gemacht hat, sind da eben ganz unterschiedliche Zugangsvoraussetzung zu den MZDBs.
00:16:57: also am besten Mit den MCDBs vor Ort einmal in Kontakt gehen.
00:17:02: Fehler haben zum Beispiel Einschränkungen, die dürfen erst Patienten mit einem Grad der Behinderung von siebzig oder mehr aufnehmen, haben bestimmte Zugangsdiagnosen.
00:17:12: Das ist eine der Diagnosen vorliegen muss um im MCDB behandelt zu werden.
00:17:17: Oder es ein Pflegegrad vorliegt und es gibt unterschiedliche Einschrankungen damit eben nicht jeder dorthin geschickt wird sondern nur genau die Zielgruppe.
00:17:28: Und auch alles in allem, selbst wenn es die nicht gibt würde ich immer gerne alle Kollegen ermutigen.
00:17:33: So vieles geht trotzdem selbst zu machen und in der eigenen Praxis auch zu ermöglichen Denn die MCDBs können eigentlich nur die Spitze des Eisberges versorgen.
00:17:42: Aber es gibt ja sehr, sehr viele Menschen mit Behinderung und viele können auch in einer wohnortnahen Versorgung durchaus sehr gut aufgehoben sein.
00:17:50: Und wenn sich die Praxen ein bisschen Mühe geben und ich glaube, die meisten sind durchaus auch sehr bereit dazu, dann kann man da wunderbar auch die Patienten versorben.
00:17:58: Nur die, wo man wirklich an seine Grenzen gerät und wo's wirklich nicht anders geht, die sollten dann halt ins MCDB überwiesen werden.
00:18:05: Okay!
00:18:06: Dann danke ich Ihnen.
00:18:07: Oder haben Sie noch einen besonderen Rat?
00:18:11: Wir haben mal ein Flyer entwickelt zum Thema, wie kann sich auch eine Arztpraxis auf Menschen mit Behinderung vorbereiten zusammen mit dem Autismus-Institut.
00:18:19: Also der ist jetzt speziell auf Mensch mit Autismus.
00:18:22: aber ich finde ehrlich gesagt die Tipps kann man auch sehr gut für alle anderen Personengruppen an Menschen mit Behinderungen gut anwenden.
00:18:29: also ich kann sehr dazu raten den einfach von der Homepage runter zu laden sich denen anzugucken vielleicht auch zusammen mit den medizinischen Fachangestellten und gucken was wollen wir vielleicht in der Praxis dahingehend verändern oder können wir noch besser gestalten, um die Personengruppe bei uns möglichst angstfrei zu behandeln.
00:18:45: Okay!
00:18:45: Den Link pack ich dann in die Shownotes zum Podcast und kann sich das jeder dort runterladen.
00:18:50: Dann danke ich Ihnen vielmals und wünsche Ihnen weiter viel Erfolg.
00:18:54: Vielen Dank!