Wie viel Longevity kann sich das Gesundheitssystem leisten, Professor Kleine-Gunk und Professor Kluge?
Wo hört evidenzbasierte Präventionsmedizin auf, und wo beginnt zweifelhafte Überversorgung, die sich Longevity-Medizin nennt? Oder könnte auch diese Form der Medizin sinnvoll sein, einfach um auszuprobieren, mit welchen Maßnahmen sich tatsächlich eine Verlängerung des Lebens erreichen lässt – und mit welchen nicht?
Im „ÄrzteTag“-Podcast treffen sich zwei ausgewiesene Experten für Longevity-Medizin zum Streitgespräch über die Grenzen der Evidenz, über richtig verstandene Prävention und darüber, ob man es mit der Gabe von Supplementen nicht auch übertreiben kann. Oder auch mit kardialer Diagnostik und mit Labormedizin bei vollkommen gesunden Menschen.
Professor Bernd Kleine-Gunk, Gynäkologe und Ehrenpräsident der German Society of Anti Aging Medicine (GSAAM) und Professor Stefan Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) und dort unter anderem Direktor der Klinik für Intensivmedizin beschäftigen sich beide damit, wie die gesunde Lebensspanne von Menschen verlängert werden kann, sie setzen dabei aber unterschiedliche Akzente.
Beide sind sich einig darüber, dass die Vergütung im Gesundheitssystem beim Honorar eher die Reparaturmedizin begünstigt als einen präventiven Ansatz, der eher mit sprechender Medizin verbunden wäre. Kleine-Gunk sieht für Ärztinnen und Ärzte, die in die Longevity-Medizin einsteigen wollen, sogar eine gewisse Notwendigkeit, praxisparallele Gesundheitszentren zu gründen.
Kluge beklagt vorallem Falschinformationen in Social Media, die Menschen in zweifelhafte Interventionen locken – etwa Vitamin-Infusionen, Kältekammern, mit denen vor allem Geld verdient wird, mit zweifelhaftem Nutzen.
Im Podcast geht es um strittige Einschätzungen von Maßnahmen zur Lebensverlängerung, um die „Number needed to treat“ zur Beurteilung dieser Maßnahmen, um den Einfluss der Industrie, um „Bodybuilding für Blutgefäße“ zur Lebensverlängerung, etwa in der Sauna, oder auch darum, warum reiche Menschen als Versuchskaninchen für neuartige Interventionen doch einen sinnvollen Beitrag für die Longevity-Forschung leisten können.
Nicht zuletzt geht es im Podcast darum, wie Longevity-Medizin von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in der Praxis umgesetzt werden kann und was sie dafür an Know-how benötigen – in der Privatmedizin, aber auch für breite Bevölkerungsschichten.
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