Wenn der Patient mit KI-Diagnose kommt: Freuen oder ärgern?
Das erste Mal, dass ein Patient mit einer KI-Diagnose zu ihr in die Sprechstunde kam, hat sich bei Dr. Alexandra Widmer ins Gedächtnis eingebrannt. Der Mann verlangte unter Verweis auf die Künstliche Intelligenz ein bestimmtes Medikament, „ich brauche nur noch ihr Go“, sagte er zu Widmer.
Damals war der Fachärztin für Neurologie und ärztlichen Psychotherapeutin sofort klar: „Das ist ein Schlüsselmoment in deinem ärztlichen Leben.“
Seit gut 1,5 Jahren erlebt Alexandra Widmer, wie Home-Made-KI-Diagnosen das Arzt-Patienten-Verhältnis und die Arzt-Patienten-Kommunikation verändern. Auf einmal befragen nicht nur Ärztinnen oder Ärzte ihre Patienten, sondern Patienten fragen regelrecht ihre Ärzte ab – durch teils wochenlange Chats mit der KI extrem gut gebrieft und schon auf bestimmte Diagnosen fixiert.
Inzwischen hat jeder Zweite die KI befragt, bevor er zu Dr. Alexandra Widmer in die Sprechstunde kommt. Im „Ärztetag“-Podcast erzählt sie, wie sie damit umgeht, was sie mit den KI-Diagnosen dann macht, wie Empfehlungen der Künstlichen Intelligenz auch schon mal an ihrem ärztlichen Selbstbewusstsein gekratzt haben und warum sie sich mittlerweile bei jedem Patienten fragt: „Was macht mich als Medizinerin aus?“
Widmer ist überzeugt: Der Arztberuf wird sich durch KI revolutionär wandeln. Schon jetzt holten sich manche Patienten bei ihrem Arzt oder ihrer Ärztin nur noch eine Zweitmeinung zur KI-Diagnose ein. Und irgendwann werde der KI-Agent des Patienten mit dem KI-Agenten des Arztes sprechen – „wie viel können wir dann noch nachvollziehen?“.
Vertrauen und Kommunikation seien die Währung der Stunde, sagt Widmer. Sie spricht deshalb auch mit ihren Patientinnen und Patienten über die KI-Diagnosen. Sonst sei die Arzt-Patienten-Beziehung bald Geschichte. Mediziner bräuchten in Zukunft neue Gesprächskompetenzen.
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